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Mehr mentale Gesundheit durch Kreativität: Freude schenken mit Wandersteinen

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Dunkel Hell

Mehr mentale Gesundheit durch Kreativität: Freude schenken mit Wandersteinen

Nora Hille
Mehr mentale Gesundheit durch Kreativität-Freude schenken mit Wandersteinen-Titelbild

Steckte etwa ein Facebook-Algorithmus hinter dieser Begegnung? Oder sind Maria und ich rein zufällig virtuell übereinander gestolpert? Jedenfalls scrolle ich gerade durch die News, als mir plötzlich das oben stehende Bild mit fünf wunderschön bemalten Steinen in die Augen springt. Ich lese die positiven Glaubenssätzen und bin schockverliebt! Diese Künstlerin, die so einzigartige Wandersteine malt, muss ich unbedingt kennenlernen. Ich schreibe ihr eine begeisterte Nachricht.

Kennenlernen per Video-Telefonat

Maria und ich haben uns zu einem Video-Telefonat verabredet. Unglaublich, wie der Funke überspringen kann, wenn man sich beim Telefonieren in die Augen sieht, die Mimik des anderen als Ergänzung zur Stimme wahrnimmt. Wir sind sofort auf einer Wellenlänge, lachen gemeinsam, spielen uns die kreativen Bälle wie Ping-Pong nur so zu. Gemeinsam kommen wir zur der (naheliegenden) Erkenntnis: Kreativität erzeugt Freude und kann unsere mentale Gesundheit stärken – selbst in schwierigen Zeiten. Genau das ist Maria mit ihrem Hobby „Wandersteine bemalen“ gelungen. Wir verabreden diesen gemeinsamen Artikel als Ergänzung zu meinem am 24. Juli 2022, dem Tag der Freude, bei FemalExperts veröffentlichten Artikel „Freude schenken beglückt und steigert unsere mentale Gesundheit“.

Was sind Wandersteine?

Doch zunächst eine Rolle rückwärts: Was verbirgt sich hinter der Bezeichnung Wandersteine? Der Trend kam aus den USA, aber mittlerweile gibt es in Deutschland, den Niederlanden, Österreich, der Schweiz und vermutlich noch weiteren Ländern immer mehr Menschen mit dem Hobby, Steine farbig zu bemalen. Anschließend setzen sie diese in der Natur aus, wo sie auf ihre Entdeckung warten. Marias Steine sind im Handgepäck einer reisefreudigen Bekannten schon bis nach Griechenland, Italien und sogar Afrika gewandert und werden sicher auch dort Menschen ein überraschtes und strahlendes Lächeln ins Gesicht gezaubert haben.

Ein bunter Stein, der Freude schenkt

Die Wanderstein-Maler*innen wollen mit ihrer Kunst Freude schenken. Klein, bunt und unverhofft – eine fröhliche oder tröstende Botschaft von Mensch zu Mensch im manchmal so grauen Alltag. Das Zeichen: Du bist nicht allein. Ein Geben ohne das Erwarten irgendeiner Gegenleistung – und das doch selbst so viel Freude schenkt.

Marias Start mit den Wandersteinen …

Natürlich möchte ich wissen, wie Maria, beruflich als Betriebsprüferin im Außendienst stark engagiert, zum Wandersteine-Malen gekommen ist. „Beim Neujahrsspaziergang 2020 habe ich meinen ersten Wanderstein gefunden. Davon war ich so begeistert, dass ich mir sofort die Materialien zulegte und mit dem Malen begann.“

Dann kam der Corona-Lockdown

„Aber kurz darauf kam der erste Corona-Lockdown. Plötzlich fielen meine ganzen Dienstreisen weg, meine Arbeit wurde komplett in den Innendienst verlagert. Damit musste ich erst mal klarkommen, denn ich bin ein sehr kontaktfreudiger Mensch. Auch meine Wochenenden fühlten sich mit einem Mal merkwürdig leer an. Vor Corona war ich sehr engagiert in der Vereinsarbeit und als Bundeskampfrichterin beim Taekwondo häufig am Wochenende unterwegs. All das brach ersatzlos weg. In den ersten Monaten empfand ich den neuen Leerlauf als richtig toll und erholsam, hatte ich doch zuvor wie eine Maschine gearbeitet und immer alles durchgezogen. Aber ich fand einfach keinen neuen Rhythmus, meine innere Erschöpfung war wohl zu groß. Eine beginnende Depression machte sich bemerkbar. Mir war klar, dass ich als Mutter unbedingt professionelle Unterstützung suchen musste, da ich schließlich nicht allein für mich lebe, sondern für das Wohlergehen meiner Familie miteinstehen will und Verantwortung für meinen Sohn trage.“

Mit professioneller Unterstützung und viel Kreativität aus der psychischen Krise raus und hin zu mehr mentaler Gesundheit.

„Die Kombination von psychosomatischer Behandlung mit therapeutischer Unterstützung wurde für mich zusammen mit dem Wandersteine-Bemalen zu meinem persönlichen Weg aus der Krise“, berichtet Maria weiter. „Die Corona-Zwangspause hatte mir regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. Letztlich hat dieser Umweg in meinem Leben aber dazu geführt, dass ich jetzt viel stärker auf meine mentale Gesundheit achte. Durch die Kreativität komme ich zur Ruhe und kann wieder neue Kraft tanken.“

Kein Widerspruch: enorm kreativ und doch innerlich entschleunigt

Seit Januar 2020 hat Maria unglaubliche 2.800 (!) Steine bemalt und diese in der Natur ausgesetzt oder gelegentlich für besondere Anfragen auch Mal als Auftragsarbeit gestaltet. Ihre Steine – wie die der anderen Wanderstein-Künstler*innen – warten draußen in der Natur, bis sie früher oder später von jemandem gefunden werden, der diesen Stein entweder für sich behalten darf oder ihn später an einer anderen Stelle wieder aussetzt. Häufig stehen auf der Rückseite der Steine der Name des Künstlers oder der Künstlerin und eine Facebook-Gruppe, wo man seinen Fund mit Foto, Orts- und Zeitangabe posten kann. „Wenn ich auf diese Weise mitbekomme, dass jemand meinen Stein gefunden hat, freue ich mich immer riesig.“ Maria strahlt.

Vernetzung innerhalb der Wanderstein-Szene

Steinkünstlerin @mary.stone72
Steinkünstlerin @mary.stone72

Maria gründete im Juni 2020 zwecks Vernetzung mit anderen örtlichen Wanderstein-Künstler*innen die Facebook-Gruppe #RheinNaheSteine, eine regionale Gruppe mit rund 1.800 Teilnehmenden, die mittlerweile von anderen Admins geleitet wird. Es existieren weitere regionale Gruppen wie die #ElbStones mit 40.000 Mitgliedern. Dazu kommen noch deutschlandweite Gruppen, wie beispielsweise #Wandersteine (das Original) mit 31.700 und die Gruppe #Deutschlands Steinemaler mit 25.000 Mitgliedern (Die Szene ist sehr aktiv und weiter im Wachstum begriffen, daher besteht bei dieser Aufzählung von Facebook-Gruppen und deren Mitgliederzahl kein Anspruch auf Vollständigkeit). Maria postet ihre Werke bei Facebook unter ihrem Künstlernamen MaryStone. Bei Instagram ist sie als @mary.stone72 zu finden.

Marias neue Lebensqualität

„Ohne diese Zwangspause durch den Corona-Lockdown wäre ich wohl direkt in einen Burnout gesteuert“, bilanziert Maria zwei Jahre später. Mit ihrem neuen Leben geht es ihr sichtlich gut: „Beim Steine-Bemalen höre ich immer leise Klaviermusik und kann dabei herrlich entspannen. Diese Zeit gehört allein mir, sie schenkt mir so viel Kraft und Ruhe – die mir dann wieder die Energie für Familie, Job und Ehrenamt gibt.“

Siehe auch
Mentale Gesundheit Warum am Muttertag zwei Herzen in meiner Brust schlagen-Titelbild

Das Hobby Wandersteine und seine Faszination

„Aber was, bitteschön, ist denn das Faszinierende an genau diesem Hobby für Dich?“, will ich nun doch ganz konkret von Maria wissen. „Weißt Du, Nora, Steine bemalen und in der Natur aussetzen – darin liegt so viel Freude, so viel positive Energie. Und dazu ist es noch total leicht. Steine bemalen kann wirklich jeder, weil die Fläche so klein ist. Man kann mit simplen Motiven beginnen. Mein erster Wanderstein war zum Beispiel ein lachender Emoji mit Sonnenbrille. Und wenn man sich vermalt, kann man es trocknen lassen und drüber malen.“ Klingt kinderleicht, denke ich. Und als hätte sie meine Gedanken gelesen, ergänzt Maria: „Bei den Wandersteinen malen übrigens ganz viele Kinder mit!“

Mein Fazit: Danke, Maria, für Deine Offenheit

Was für ein schönes Erlebnis, durch ein berührendes Foto in einem Facebook-Post und eine spontane Kontaktaufnahme auf eine so kreative, fröhlich-freundliche Frau und Künstlerin wie Maria gestoßen zu sein. Unser Austausch war unerwartet tiefgehend und geprägt von echter menschlicher Nähe und gegenseitiger Wertschätzung. Besonders freut es mich, wie aufrichtig Maria mir und damit allen Leser*innen gegenüber war und uns an ihrem Leben anteilnehmen lässt. Das hat einen Grund, so Maria: „Ich möchte andere Menschen mit meiner Geschichte ermutigen. In einer Lebenskrise ist professionelle Unterstützung von hohem Wert. Für mich war diese gerade in Kombination mit der gelebten Kreativität mein Weg zur mentalen Gesundheit.“

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Du möchtest selbst einen Wanderstein dein Eigen nennen? Dann mach mit bei dem Gewinnspiel und erhalte mit etwas Glück einen handbemalten Stein von MaryStone.

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Das braucht man:

  • Steine aus der Natur
  • Weiße Acrylfarbe zum Grundieren
  • Acrylfarbe in Tuben mit feinen Pinseln oder
  • Acrylstifte
  • Klarlack auf Wasserbasis zum Versiegeln

Über die Autorin

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Nora Hille, Jahrgang 1975, lebt in Norddeutschland, ist verheiratet, hat zwei Kinder und zwei Katzen. Studium Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaften. 12 Jahre Arbeit im Bereich Kommunikation/PR. Aus gesundheitlichen Gründen verrentet. Schreibt als Betroffene und Erfahrungsexpertin zu den Themen Mental Health, Psychische Erkrankungen und engagiert sich für die Anti-Stigma-Arbeit, also gegen die Stigmatisierung (Ausgrenzung) psychisch Kranker in unserer Gesellschaft für mehr Miteinander und Toleranz. Außerdem verfasst sie literarische Essays, Gedichte und Kurzprosa.

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