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Selbstbewusstsein als Karrierebooster: Warum das Vertrauen in das eigene Können erfolgreich macht

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Selbstbewusstsein als Karrierebooster: Warum das Vertrauen in das eigene Können erfolgreich macht

Saskia Vocke
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In den 15 Jahren meiner Berufserfahrung als Personalleiterin und HR-Managerin ist mir immer wieder bewusst geworden: Frauen fehlen in sehr vielen Fällen nicht die Fachkenntnisse, sondern es mangelt an Selbstbewusstsein auf ihrem Karriereweg. Mir sind in meiner beruflichen Laufbahn Frauen begegnet, die -formulieren wir es mal freundlich- durchschnittlich gut ausgebildet sind, aber eine richtig steile Karriere hingelegt haben. Und umgekehrt. Frauen mit exzellenten Fachkenntnissen, die aber beruflich nie wirklich ihren Weg gefunden haben.

Dieses Phänomen lässt sich auch wunderbar in der Öffentlichkeit beobachten. Schauen wir uns die Politik an. Habt ihr euch nicht auch schon oft gefragt, wie es sein kann, dass eine Person ein Ministerium zu verantworten hat, aber überhaupt keine Expertise oder Ausbildung in dem zu verantwortenden Bereich besitzt? Natürlich spielen da Netzwerkkontakte und Parteizugehörigkeiten eine Rolle. In der Wirtschaft ist es nicht anders. Unabhängig vom Geschlecht findet man teils exotische Lebensläufe auf den CEO-Posten und in den Vorständen. Was aber alle diese Persönlichkeiten gemeinsam haben, ist ein gesundes Selbstbewusstsein und dadurch eine gewisse Durchsetzungsfähigkeit und Führungsstärke.

Was genau bedeutet denn ein „gesundes Selbstbewusstsein“?

Aus dem Thema „Selbstbewusstsein“ müssen wir an dieser Stelle keine Raketenwissenschaft machen. Aber einfach zu behaupten, dass Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen, Selbstwert und Selbstliebe alles Synonyme sind, wie es im Internet und in einigen Fachbüchern oft propagiert wird, ist dann doch zu wenig. Bei der Definition von Selbstbewusstsein schließe ich mich dem bekannten deutschen Autor, Redner und Unternehmer Bodo Schäfer an. Er hat ein sehr lesenswertes Buch zum Thema Selbstbewusstsein geschrieben. Nach seiner Definition setzt sich das Selbstbewusstsein aus den Komponenten Selbstvertrauen, Selbstachtung und dem eigenen Selbstbild zusammen.

  • Selbstvertrauen meint das Wissen, den Herausforderungen des eigenen Lebens gewachsen zu sein.
  • Selbstachtung bedeutet, den eigenen Wert als Mensch zu kennen und zu wissen, dass man liebenswert ist und sich selber und nicht nur die Anderen mit Respekt behandeln muss.
  • Selbstbild beschreibt, dass ein Mensch genau weiß, wer er ist, was er will und was nicht.

Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein haben also ein ausgeprägtes Selbstvertrauen in ihr eigenes Tun, eine hohe Selbstachtung von sich und ein positives Selbstbild. Sie schätzen sich als Mensch, wissen um ihre Werte und welche Entscheidungen sie warum treffen.

Wenn du der Meinung bist, dass dein Selbstbewusstsein eher gering ist oder zumindest etwas stärker ausgeprägt sein könnte, dann kannst du dir die Frage stellen, ob es dir an Vertrauen in deine Fähigkeiten mangelt? Oder gehst du sehr hart mit dir ins Gericht und bist dir deiner Werte nicht bewusst? Oder weißt du nicht wirklich, was du warum tust, machst und willst? Fehlt dir die Orientierung im Leben?

Ein paar Praxisbeispiele aus meiner Erfahrung als Karriereberaterin und HR-Expertin

In fast allen Karriereschritten kommst du mit deinem Selbstbewusstsein in Berührung, auch wenn es dir vielleicht gar nicht selbst bewusst ist. Du gehst jeden Morgen genervt und gestresst zur Arbeit, hast aber Angst, einen nächsten Karriereschritt zu tun und schiebst das „Jobproblem“ lieber zur Seite. Hier fehlt es an Selbstvertrauen.

Du hast dich aufgerafft und suchst bei Indeed nach Stellenanzeigen. Du findest eine und bewirbst dich aber nicht, weil du ja nur drei der vier Anforderungskriterien erfüllst und nicht davon ausgehst, dass du auf Grund deiner „fehlenden Qualifikation“ eingeladen wirst. Also suchst du bei Indeed oder Stepstone monatelang nach dem zu 100% passenden Job, bis dir buchstäblich der Kopf qualmt. Auch hier fehlen Selbstvertrauen und Selbstachtung.

Endlich hast du eine Stelle gefunden. Du bewirbst dich und wirst zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die Personalverantwortliche stellt dir die Frage „Welche Werte sind Ihnen im Leben wichtig und wie können uns als Unternehmen ihre Werte von Nutzen sein?“ Du bist nass geschwitzt. Meine Werte? Wieder geht es um Selbstachtung. Oder du hörst im Bewerbungsgespräch die folgende Frage: „Schildern Sie in 2 Minuten, warum genau Sie unser Unternehmen zukünftig erfolgreich voranbringen werden und welches ihre erfolgversprechenden Methoden und Tools sind? (Stichwort Selbstvertrauen).

Weiter geht es bei dem Thema Gehaltsverhandlung. Leider gibt es noch keine Studien, die zeigen, dass der bereinigte Gender Pay Gap auch auf fehlendes Selbstbewusstsein zurückzuführen ist. Ich vermute aber, dass dies zu einem gewissen prozentualen Anteil der Fall ist. Frauen sind oft sehr zögerlich und verunsichert, wenn es um die Formulierung ihrer Gehaltswünsche geht. Unternehmen hingegen freuen sich dann, wenn die Gehaltserwartungen schön niedrig sind. Dadurch entsteht unweigerlich ein Gap. Ich empfehle Frauen jetzt nicht, bei Gehaltsverhandlungen mit unrealistischen Erwartungen zu pokern. Welches Gehalt man als das sogenannte Ankergehalt festsetzt, hängt von vielen weiteren Faktoren ab. Aber zumindest selbstbewusst nachzuverhandeln, wenn das angebotene Gehalt sich nicht stimmig anfühlt, ist ein erster mutiger Schritt.

Auch im Job hängt vieles vom Selbstbewusstsein ab: Die Kommunikation zu Vorgesetzten, zu Kollegen, die Übernahme von zu viel Verantwortung, die Bewältigung von Konflikten am Arbeitsplatz und das Management der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Ich könne die Liste an Praxisbeispielen noch endlos fortführen. Vielleicht erkennst du dich in einem oder mehreren der Bespiele wieder?

Warum hat dein Selbstbewusstsein einen „Knacks“?

Wie du sicherlich schon ahnst, spielt unsere Kindheit eine nicht zu unterschätzende Rolle. Ich möchte jetzt nicht zu weit ausholen. Aber Kinder, die oft kritisiert werden, zu behütet und ängstlich erzogen werden, denen zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde oder die etwas Schlimmes erlebt haben, leiden oft unter einem geringen Selbstbewusstsein. Wird Kindern ihr Wert als Mensch (und nicht ihre Leistung!) nicht ausreichend vermittelt, kann es passieren, dass sie im Erwachsenenalter überkompensieren und versuchen, die Anerkennung und den Wert von außen zu erhalten: Durch Statussymbole, durch Karriereschritte ganz oben auf der Karriereleiter. Oftmals befinden sich diese Menschen in einem Tunnel und merken gar nicht, dass ihnen ihr Streben nach „höher, schneller, weiter, mehr“ gar nicht gut tut und sich dadurch nicht das „Glücksgefühl“ einstellt, was sie sich so sehnlichst wünschen.

Auch Misserfolge beruflicher oder privater Natur können das Selbstbewusstsein negativ beeinflussen. Oder positiv formuliert: Je ausgeprägter dein Selbstbewusstsein ist, desto besser kannst du mit Misserfolgen und Kritik umgehen.

Halten wir an dieser Stelle fest: Unabhängig von den Ursachen für dein angeknackstes Ego, lässt sich ein gesundes Selbstbewusstsein trainieren, so dass du beruflich die Schritte gehen kannst, die du auch gehen möchtest. Denn nur, wenn du (beruflich) das tust, was du wirklich von Herzen tun willst, wirst du zufrieden.

Wie bekommt dein Selbstbewusstsein einen Schub und deine Karriere einen Booster?

Im Folgenden verrate ich dir vier Tipps, wie du deinem Selbstbewusstsein, insbesondere im Berufsleben einen kleinen oder großen Push geben kannst.

Tipp Nr. 1: Werde Dir bewusst, wer du bist und was du beruflich alles kannst

Jetzt setzen wir uns erstmal mit der Basis auseinander, damit darauf die drei Komponenten des Selbstbewusstseins (Selbstvertrauen, Selbstachtung, Selbstbild) wachsen können. Dazu empfehle ich dir eine berufliche Standortanalyse zu machen. Notiere dir Antworten zu den folgenden Fragen:

  • Bin ich mit meinem Berufsleben zufrieden?
  • Fühle ich mich im Team mit meinen Kolleg:innen und Vorgesetzten wohl?
  • Erfüllt mich meine Tätigkeit? Erlebe ich meinen Job als sinnvoll?
  • Lässt mir der Job genug Raum für private Interessen und Familie?
  • Was sind meine beruflichen Erfolge?
  • Welche Kompetenzen habe ich?
  • Welche Werte sind mir im Jobleben wichtig?

Warum ist die Beantwortung dieser Fragen so wichtig? Vielen Menschen fehlt der Fokus auf die Gegenwart. Ich erlebe häufig bei meinen Klientinnen den Hang zum Grübeln. Sie denken an Themen der Vergangenheit oder machen sich Sorgen über die Zukunft. Was wäre, wenn ich den Job schlecht mache? Was wäre, wenn ich die Probezeit nicht bestehe? Was wäre, wenn die Kollleg:innen viel kompetenter sind als ich? Was ist, wenn ich dem Jobstress nicht mehr lange gewachsen bin? Und weiter geht die endlose Negativspirale. Durch die Beantwortung dieser Jobfragen weißt du, wie es beruflich um deinen Selbstwert und dein Selbstbild steht. Zumindest auf dem Papier. Der erste Schritt ist getan. Das heißt aber noch nicht, dass du dich jetzt selbstbewusster fühlst.

Siehe auch
Artikelbild-Die Grundregeln der Kommunikation-Als-Frau-in-maennerdominierten-Unternehmen-gesehen-werden

Tipp Nr. 2: Identifiziere die Antreiber für deine beruflichen Schritte

Hier geht es darum, herauszufinden, welche Motivation hinter deinen beruflichen Entscheidungen steht. Selbstbewusste Motivatoren sind zum Beispiel die Chance, in einer anderen Firma einen neuen Bereich kennenzulernen und somit dazuzulernen. Oder auch eine Position zu wählen, die besser mit dem Familienleben vereinbar ist oder mit privaten Interessen, die dir wichtig sind.  Falls du dich auf eine Stelle mit viel mehr Verantwortung und Prestige bewirbst, solltest du dich fragen, was dich dazu bewegt?  Bist du eine Führungskraft aus dem Bilderbuch, die voller Passion anderen Kolleg:innen sagt, wo es lang geht und liebst du es, die Zügel in der Hand zu haben? Oder geht es dir darum, bei LinkedIn veröffentlichen zu können, dass du jetzt endlich Marketingleiter:in bist, obwohl du eigentlich gar nicht so gern Verantwortung übernimmst? Komme also den wahren Gründen für berufliche Entscheidungen auf die Spur! Setze deine Ziele für dich und nicht für dein Umfeld.

Tipp Nr. 3: Besiege deine Ängste

Im Berufsleben sind Ängste gar nicht mal selten. Angst vor der Meinung des Chefs, Angst, dass das Projekt nicht richtig läuft, Angst eine Präsentation vor der Abteilung zu halten, Angst sich zu bewerben. Diesen Ängsten können wir auch Namen geben: Versagensangst oder Angst vor Veränderung zum Beispiel. Ängste fühlen sich alles andere als gut an, vereinen aber etwas Gutes in sich. Sie beruhen nämlich auf Fehlinformationen, die nur unser Gehirn uns vorgaukelt. Denn ich gehe jetzt einmal fest davon aus, dass neben deinem Schreibtisch im Büro kein echter Löwe sitzt und dich anbrüllt, während du in dein Butterbrot beißt. Menschen mit einem gesunden Selbstbewusstsein verfügen über Fähigkeiten, um mit Ängsten besser umzugehen. Oft ist es so, dass sie ihren Fokus auf Erfolge im Berufsleben legen und sich nicht an kleineren Misserfolgen festbeißen. Dein Selbstbewusstsein bekommt nur einen Booster, wenn du dich deinen Ängsten stellst und eine Erfolgssammler:in wirst. Nur durch kleine oder gern auch große Erfolge kannst du dein Gehirn positiv trainieren, weg von der Angst, hin zum Erfolg und zu einem guten Selbstbewusstsein. Das geht sicherlich nicht über Nacht. Aber du wurdest auch nicht über Nacht von einer Couch-Potatoe zu einer durchtrainierten Jogger:in.

Tipp Nr. 4: Betreibe aktiv Selbstfürsorge

Komm aus dem „Kümmermodus für Andere“ raus und fang erstmal bei dir an. Besonders Frauen plagt an dieser Stelle gern das schlechte Gewissen. Ich soll an mich selbst als Erstes denken? Ja. Denn ohne Energie kannst du deine Rolle als Ehefrau, Mama, Tochter und Arbeitnehmerin oder Selbstständige nicht ausführen. Und wenn du energielos bist, dann brauchen wir auch nicht schauen, wie es um dein Selbstbewusstsein steht. Möchtest du sechs gute Selbstfürsorge-Tipps für mehr Power im Job an die Hand bekommen, lade ich dich herzlich ein meinen Blogartikel zu lesen.

Du musst Verantwortung für dein Tun übernehmen und ins Machen kommen, um deinem Selbstbewusstsein einen Schub und deiner Karriere einen Booster zu verpassen.

Gerne helfe ich dir bei diesem oder weiteren Karriereschritten. Besuche gern meine Homepage und nehme Kontakt zu mir auf.

Du liest gern Artikel zu den Themen Female Career, Mentale Gesundheit im Job oder Hochsensibilität im Berufsleben? Dann besuche gern meinen Jobleben-Blog.

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Buchtipp: Ich kann das (2021): Bodo Schäfer

Über die Autorin

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Saskia Vocke ist Gründerin und Inhaberin von Jobleben Consulting, einer Beratung für berufliche Neuorientierung und mentale Gesundheit im Job - speziell für Frauen. Ihre beruflichen Stationen führten sie bereits um die ganze Welt. Als Karriereexpertin mit 15 Jahren Berufserfahrung im HR Bereich und zertifizierte Burnout Beraterin unterstützt Saskia aktuell Frauen dabei, ihr (neues) Berufsleben und ihre mentale Gesundheit in Einklang zu bringen. Ihre Vision ist, das Berufsleben von Frauen stressfreier und zufriedener zu machen. Ihre Botschaft als Unternehmerin: kein stimmiges, zufriedenes Jobleben ohne mentale Gesundheit und umgekehrt. Ihre Klientinnen berät sie in 1:1 Sessions online oder persönlich.

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