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Female Empowerment: Wir wollen mehr!

Female Empowerment: Wir wollen mehr!

Kinga Bartczak
Female Empowerment-FemalExperts-Podcast

Du möchtest diesem Beitrag lieber in Ruhe lauschen, dann höre dir direkt die Podcast-Folge an. Allen anderen, wünsche ich viel Freude beim Lesen.

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Als Businesscoach für Frauen höre ich so oft Aussagen, wie: „Ihr könnt wählen, ihr habt schon so viele Rechte und ihr seid doch jetzt sogar in Aufsichtsräten – Was wollt ihr denn noch?“ Ich kann die ein oder andere Zuhörerin regelrecht mit den Augen rollen sehen, denn wir alle kennen die Antwort auf diese Frage: Wir wollen mehr!

Ich fange jetzt nicht mit den grundlegenden Fakten an, dass wir im 21. Jahrhundert immer noch einen Gender Pay Gap, Gender Care Gap, Gender Data Gap oder Gender Pension Gap haben. Diese Beispiele könnte man noch stundenlang so weiterführen.

Strukturelle Diskriminierung finden wir in nahezu jedem Bereich unseres Lebens

Ich spreche hier selbst aus der Position einer privilegierten, weißen, hetero Cis-Frau mit akademischem Background – Klar, ich habe einen Migrationshintergrund und kann die klassische „Phönix aus der Asche“ Geschichte erzählen, aber in anderen Teilen der Welt sieht das schon anders aus. Hier sind Frauen einer noch viel strukturelleren Diskriminierung ausgesetzt. Die Ehe an sich unterliegt im Übrigen auch der strukturellen Diskriminierung und damit meine ich nicht nur im Hinblick auf das Ehegattensplitting, sondern im Hinblick auf die Romantisierung, die mit diesem Konstrukt einhergeht.

Ich kann nicht an einer Hand abzählen, wie oft ich gefragt wurde, warum ich nicht verheiratet bin. Ich bin nicht gegen die Ehe, doch wir sollten verstehen, dass auch diese ein Vertrag ist und ein Vertrag sollte bestenfalls Regeln folgen, die du selbst aufgestellt hast.

Wenn wir uns die gesellschaftlichen Regeln ansehen, die direkt oder auch unterbewusst für uns Frauen konzipiert wurden, müssen wir doch feststellen: Die sind einfach nur Mist. Sie wurden im Laufe des letzten Jahrhunderts von Männern konzipiert und sollen Kindern und Frauen Möglichkeiten sowie Grenzen aufzeigen.

Was Female Empowerment erreichen kann

Jetzt können wir uns natürlich den lieben langen Tag beschweren oder wie fangen, an etwas dagegen zu unternehmen und an dieser Stelle kommt Female Empowerment ins Spiel. Es gibt keine Deutungshoheit im Hinblick auf Female Empowerment, denn es ist immer wichtig in welchem Kontext wir diesen Begriff sehen. Grundsätzlich kann man jedoch sagen, dass es hierbei um die zielgerichtete Förderung von Frauen und Mädchen weltweit geht, sodass diese im sozialen, wirtschaftlichen und im Bildungsbereich die gleichen Chancen erhalten wie Männer. Female Empowerment ist ebenso eine Haltungssache – Eine Sache von Respekt. Frauen zu fördern, bedeutet hierbei nicht, Männer zu benachteiligen. Wir wollen schließlich nicht den ganzen Kuchen, sondern nur die uns zustehende Hälfte.

Wie können wir Female Empowerment erlebbar machen?

Ich habe dir hierzu ein paar Punkte mitgebracht, von denen ich als zweifache Mentorin selbst sehe, dass wir Frauen sie wirklich gebrauchen könnten oder sie selbst leben sollten.

1. Aktive staatliche und institutionelle Förderung

Ohne Geld geht nichts – Geld bedeutet Macht. Ob Coding-Klassen speziell für Mädchen oder Venture Capital für weibliche Gründerinnen, die Bandbreite an Fördermöglichkeiten ist riesig. Das Investment in feministische und weibliche Projekte muss staatlich sowie gesellschaftlich mehr Anerkennung finden. Traut euch darum, von euren Geschäftsideen und Projekten zu erzählen und holt euch Befürworterinnen.

2. Setze dich gezielt für Frauen ein

Es ist einfach zu sagen, dass man selbstbewusst durch das Leben gehen soll, wenn jedes Verhalten, welches nicht der Norm entspricht, als „bossy“, „zickig“ oder „dominant“ abgestempelt wird. Wir Frauen müssen füreinander einstehen. Das bedeutet: aktiv zuzuhören, hinzusehen, wenn etwas diskriminierend ist und vor allem – den Mund aufzumachen. Seid ein Schutzschild füreinander.

3. Reiche anderen Frauen die Hand  

Ich oute mich als vehemente Befürworterin der Frauenquote. Ich denke jedoch, es muss darüber hinaus ein Bewusstsein entstehen, dass wir Frauen nur gemeinsam erfolgreich sein können. Das bedeutet: Wir müssen unsere Macht dafür einsetzen, anderen Frauen die Hand zu reichen, sodass wir unsere Quote in den Machtpositionen zunehmend erweitern können.

4. Bilde oder sei Teil eines Netzwerks  

Du brauchst andere Alpha Frauen um dich, denn wie heißt es so schön: „If you can’t beat them, join them.“ Wir müssen den Wettbewerbsgedanken hinter uns lassen und uns mit Frauen umgeben, die uns fördern und die wir im Gegenzug ebenfalls fördern. Ich gebe anderen Frauen immer einen Vertrauensvorschuss, und zwar ohne dafür etwas zu erwarten, denn ich weiß, dass meine Energie hier immer gut angelegt ist. Falls du keine Idee hast, wie du an ein gutes Netzwerk kommen kannst, vernetze dich gerne mit mir und lass uns Netzwerkpartnerinnen sein. Alternativ kannst du dir auch mein Netzwerk-Kit runterladen oder Teil meiner eigenen Facebook-Community werden und so von einem bereits bestehenden Netzwerk profitieren.

5. „Be hard on the facts, but soft on the people.”

Wir müssen aufhören, die netten Mädchen von nebenan im Business zu spielen, denn das rentiert sich im wahrsten Sinne des Wortes nicht. Egal ob es um Gehaltsverhandlungen oder deine Entlohnung als Selbstständige geht – kenne deinen Wert, denn sonst legen ihn andere für dich fest. Auf der anderen Seite solltest du niemals vergessen, dass Menschen schnell vergessen, was du mal gesagt oder getan hast, aber sie vergessen nie, wie du sie behandelt hast (Das gilt insbesondere für Führungskräfte).

6. Hör auf, andere nach ihrem Äußeren zu bewerten

Ja, es gibt auch positive Diskriminierung! („Oh, hast du etwas abgenommen?“) – Wir werden regelrecht dazu sozialisiert, bestmöglich auszusehen und uns ständig der Bewertung durch andere auszusetzen. Sorge in deiner Umgebung dafür, dass die Frauen nach ihrem Potenzial, ihrer Haltung, ihrem Engagement oder ihrer Persönlichkeit gefragt werden und nicht danach, ob sie im Sommer wieder an ihrer Bikini-Figur arbeiten möchten.

Siehe auch
Hochstapler-Syndrom-Titelbild

7. Sharing is Caring

Wenn du Kooperationen, Aufträge, Stellenausschreibungen oder einen spannenden Kontakt hast, dann leite diese an andere Frauen aus deinem Netzwerk weiter. Nur eine Bienenkönigin behält allen Ruhm für sich, empfehle darum andere Frauen weiter.

8. Redet miteinander

Redet über Geld, über Sex, über Krankheiten oder Stolpersteine. Teile deine Erfahrungen, denn dadurch hilfst du dir und anderen dem Perfektionswahn in unserer Gesellschaft den Rücken zu kehren.

9. Hör auf, „Everybodys darling“ sein zu wollen  

Ich bin nicht erst seit gestern eine Person, die sich im öffentlichen Raum bewegt. Daher kenne ich die schönen Aspekte und die Schattenseiten daran. Für Female Empowerment einzustehen, bedeutet jedoch sich Widerständen entgegenzustellen und das kann manchmal ziemlich wehtun. Sei dir darüber bewusst, dass nicht jede Person dein/e Freund/in zu sein hat und du mit deiner Haltung auch polarisierst.

10. Fang an!  

Female Empowerment beudetet nicht einmal im Jahr auf eine nette Netzwerkveranstaltung zu gehen, Prosecco zu trinken und von seinem Leben zu erzählen. Female Empowerment ist eine tägliche Aufgabe, der wir uns widmen sollten, um struktureller, geschlechtsbezogener Diskriminierung die Stirn zu bieten.

Female Empowerment fängt heute mit dir an und ist vollbracht, wenn auch das letzte Mädchen auf dieser Erde in jeglicher Hinsicht gleichgestellt ist.

Mich würden deine Gedanken zu dieser Podcast-Folge sehr interessieren – komm gerne mit mir in Kontakt oder hinterlasse ein Kommentar.

Über den/die Autor*in

Kinga Bartczak berät, coacht und schreibt zu Female Empowerment, neuer Arbeitskultur, Organisationsentwicklung systemischen Coaching und Personal Branding.

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