Du liest gerade
Genuss meets Innovation: Wie fembites mit Gummibärchen, Schokolade & Co. den Gender Data Gap in der Ernährung schließen

Zoe-Chance-Banner_quer3

Dunkel Hell

Genuss meets Innovation: Wie fembites mit Gummibärchen, Schokolade & Co. den Gender Data Gap in der Ernährung schließen

Kinga Bartczak
Wie fembites mit Gummibärchen, Schokolade & Co. den Gender Data Gap in der Ernährung schließen-Titelbild

Jetzt wird es lecker! Im heutigen Interview stellen wir euch Jana Deckelmann und Angelica Conraths vor, sie sind die Gründerinnen und Geschäftsführerinnen der fembites GmbH.

Ich freue mich, ein absolutes Female Power-Duo interviewen zu können und würde direkt mal damit starten, den Lesenden einen kleinen Einblick in eure bisherige Lebensreise zu geben: Wer seid ihr und wie habt ihr euch kennengelernt?

wir sind Jana und Angelica. Jana ist studierte Biologin und Ernährungsökonomin, hat viel in Laboren gearbeitet und eine Ausbildung zur Hormon-Ernährungscoachin gemacht. Ich, Angelica, habe eigentlich mal Hotelmanagement studiert, damit die Welt bereist und nach 14 Jahren die Pille abgesetzt, wodurch ich unter dem Post-Pill-Syndrom leidete, das in extremen Haarausfall und PMS endete und mein Immunsystem lahmgelegt hat. Zum Zeitpunkt, als ich Jana kennenlernte, musste ich einen fiesen Darmpilz aushungern. Wir haben uns 2020 bei GRACE in Berlin kennengelernt – ein Bootcamp für Frauen, die gründen möchten.

Die Startup-Szene ist ja immer noch sehr männlich dominiert. Wie habt ihr die Idee entwickelt und den „Mut“ gefunden, gemeinsam auf die unternehmerische Reise zu gehen?

Wir haben inmitten des 2. Lockdowns gegründet, was schon crazy genug war. Zu der Zeit wohnten wir beide irgendwo auf dem Land bei unseren Familien und hatten ganz viel Ruhe um uns herum. Networking Events und Co. fielen komplett aus, was uns nicht gestört, sondern eher bereichert hat, da wir uns vollkommen auf fembites und unsere ersten Kund*innen konzentrieren konnten. Ich glaube, wir haben uns da gar nicht weiter Gedanken drüber gemacht. Wir hatten nur unsere Vision vor den Augen: die Bedürfnisse des weiblichen Körpers müssen mehr Aufmerksamkeit von der Gesellschaft erfahren und nicht mehr mit Scham und Tabus in Verbindung gebracht werden.

Gibt es vielleicht einen Tipp, den ihr (angehenden) Gründerinnen mit auf den Weg geben könnt, falls diese sich ebenfalls mit der Idee eines eigenen Startups beschäftigen?

Just do it! Und wenn jemand, der/die das liest, sich angesprochen fühlt und Hilfe braucht, können sie sich immer bei uns melden. Wir waren selbst sehr dankbar für unser Netzwerk durch GRACE sowie durch unsere Unis und Bekannten/Freunde. Netzwerk ist alles. Man wird auf so viele Fragezeichen stoßen, wenn man gründet. Auf einmal ist man für so vieles verantwortlich, was man zuvor noch nie getan hat. Das ist vollkommen normal und dafür ist der Input des Netzwerks unglaublich wertvoll. Alles andere kommt dann auch!

Gemeinsam entwickelt ihr Nährstoffversorgung für den weiblichen Körper. Nehmt uns gerne mal mit auf diesen Prozess: Wie kam es zu der Produktidee?

Ich, Angelica, leidete durch das Post-Pill-Syndrom unter einer Immuninsuffizienz, massivem Haarausfall und starkem PMS. Jana hatte aufgrund ihrer Erfahrung in Laboren sowie in der Lebensmitteltechnologie die Erfahrung gemacht, dass der weibliche Körper weder in der Medizin noch in der Lebensmittelindustrie genug berücksichtigt wird, woraufhin sie eine Leidenschaft für hormonbasierte Ernährung im Zusammenspiel mit dem weiblichen Zyklus entwickelte. Zusammen haben wir Recherchen und Umfragen auf Facebook & Co. durchgeführt und mit über 500 Frauen gesprochen. Es kam heraus, dass 85% unter PMS und Menstruationssymptomen, wie Stimmungsschwankungen, Angstbeschwerden, Brustspannen, Kopfschmerzen, u.v.m. leiden. Dazu kommt, dass der weibliche Körper chronisch unerforscht ist. Unser liebstes Beispiel an dieser Stelle: Erektionsprobleme werden 5x mehr erforscht als PMS, ein Thema, das so viele in ihrem Alltag beeinflusst. Wir haben uns viel darüber ausgetauscht und dann gedacht:

Okay, wir verstehen, dass wir und 85% der (menstruierenden) Frauen sich jeden(!) Tag wohlfühlen möchten, unabhängig vom Menstruationszyklus und wir wissen, dass es dafür eine tägliche Nährstoffversorgung braucht, die über das ‚normale‘ Essen hinausgeht.

Wir wussten auch, dass die Gesellschaft diese Symptome, die man vor und während der Periode hat, abtut als: „Ach, die hat mal wieder ihre Tage” und auf die Bedürfnisse des weiblichen Körpers nicht eingeht. Deshalb haben wir fembites gegründet: um es jeder Frau zu ermöglichen, sich jeden einzelnen Tag in ihrem Körper wohlzufühlen und Aufklärungsarbeit zu leisten, um auch in der Gesellschaft etwas zu ändern.

Was ist dabei an euren Produkten anders als an herkömmlichen Alternativprodukten?

Bei uns trifft Genuss auf Wirkung. Ich kann bis heute keine Pillen und Kapseln schlucken und Jana macht es einfach keinen Spaß. Als wir herausgefunden haben, dass viele dieser Pillen und Kapseln voller Mikroplastik, Gelatine und anderer künstlichen Stoffe sind, haben wir uns komplett von der Idee verabschiedet. Unser Weg: Wir setzen auf die flexible Integrierbarkeit in den Alltag, durch (bisher) Gummidrops und Kakaopulver. Wir verzichten komplett auf künstliche Zusatz-, Farb- oder Aromastoffe, Gluten, raffinierten Zucker und andere Dinge, die der Körper nicht braucht. In unserem „fempow PMS Support“ wird zum Beispiel der Mikro- und Makronährstoffkomplex mit Kakaopulver zusammengerührt und kann so multipel eingesetzt werden: Im Smoothie, Müsli oder in Energy Balls.

Wir haben schon die kreativsten Ideen gehört. In unseren femgums steckt der Mikro- und Makronährstoffkomplex in Gummidrops, die überall hin mitgenommen werden können und fruchtig lecker schmecken. Bei der Entwicklung stützen wir uns komplett auf Studien, welche im Zusammenhang mit PMS und dem weiblichen Körper schon publiziert sind und wir arbeiten mit Expert*Innen zusammen.

Ihr habt nicht nur eine Produktlinie entwickelt, sondern leistet auch aktiv Aufklärungsarbeit. Welches Themenfeld sollte hierbei eurer Meinung zusätzlich einen besonderen Fokus erhalten?

Alle Themengebiete, die mit dem weiblichen Körper zu tun haben. Von Krankheiten, wie Endometriose, bis hin zu Zyklusthemen und der Menopause. All diese Dinge erfahren viel zu wenig Aufmerksamkeit, was sich in den Ergebnissen der Forschungen zeigt, die peinlich gering sind.

Gibt es Herausforderungen, die euch auf eurem Weg zum eigenen Food-Startup begegnet sind und wie seid ihr mit diesen umgegangen?

So einige. Dadurch, dass wir mit unserer Idee zwischen “Nahrungsergänzungsmittel” und “Food” stehen, konnten wir zwar aus beiden Bereichen lernen, sind jedoch immer wieder auf bürokratische Grenzen gestoßen. Zum Beispiel wollten wir anfangs gar keinen Zucker in unsere Schokolade “femchoc” mischen, doch laut Lebensmittelrecht, muss eine Schokolade Zucker enthalten, sonst kann man diese nicht als Schokolade am Markt anbieten. Die Idee, den Zucker aus der Kakaobohne zu ziehen, wurde leider auch nicht anerkannt. So haben wir uns schlussendlich für das absolute Minimum an Zuckergehalt von der Kokosnuss entschieden. Ein Chaos!

femchoc-von-fembites

Ihr widmet euch unternehmerisch durch eure Produktentwicklung nicht nur dem Thema „Female Empowerment“, ihr geht sogar noch einen Schritt weiter und kooperiert hierbei mit Social Period e.V. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Wir haben uns von Anfang an die Frage gestellt: Was können wir als Firma „zurückgeben“? Die Zusammenarbeit mit Social Period e.V. kam Jana, die sich zum Zeitpunkt unserer Gründung stark mit Periodenarmut auseinandergesetzt hat. Unser Ziel ist es, so viele Organisationen wie möglich zu unterstützen, um gesellschaftlich neue Strukturen zu schaffen. Wir planen auch für die nächsten Jahre entsprechende politische Kampagnen, um die Bedürfnisse des weiblichen Körpers mehr und mehr in den Fokus zu rücken. Es gibt so viel, was viele Menschen nicht wissen.

Siehe auch
FeMentor Gründerin Anastasia Barner im exklusiven Interview-Artikelbild

Inwiefern ist eurer Ansicht nach der Community-Gedanke und die Netzwerkarbeit entscheidend in diesem Zusammenhang?

Es ist ganz klar: Nur, wenn wir alle an einem Strang ziehen, wird sich langfristig und nachhaltig etwas ändern. Wir haben schon viel Kritik von Menschen auf Social Media erfahren, die nicht verstanden haben (oder wollten), warum es wichtig ist, über Gleichberechtigung, Female Empowerment oder wie auch immer man das Kind nennen möchte, zu reden. Viele fühlen sich davon angegriffen. Die, die uns und unseren Content kennen, wissen, dass unsere Kommunikation zu diesen Themen bestimmt, aber freundlich ist und wir niemanden ausschließen. Aber ich denke, man kann es nicht jeder/m Recht machen.

Abschließend bin ich unglaublich neugierig, wie es für euch weitergehen wird: Wohin wird euch eure weitere persönliche/unternehmerische Reise in den kommenden Jahren führen?

Wir werden im Oktober unsere zweite Produktreihe launchen, die sich vor allem als Support beim Absetzen eines hormonellen Verhütungsmittels anbietet. Aber dazu bald mehr. Außerdem erwartet Jana ihr erstes Kind Anfang nächsten Jahres und wir sind schon fleißig dabei, eine Produktreihe für die Zeit während und nach der Schwangerschaft zu entwickeln. Es bleibt sehr spannend und wir freuen uns so sehr auf alles, was kommt und jeden einzelnen Menschen, den wir dabei unterstützen können, sich wohl in seinem Körper zu fühlen.

Liebe Jana, liebe Angelica,

schön, dass ihr euch unserer Community im FemalExperts Role Model Interview vorgestellt und so spannende Einblicke hinter die Kulissen eures Food-Startups gewährt habt.

Vielen Dank.

Über die Autorin

Website | + Beiträge

Kinga Bartczak berät, coacht und schreibt zu Female Empowerment, neuer Arbeitskultur, Organisationsentwicklung systemischen Coaching, und Personal Branding.

Zudem ist sie Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen GmbH und Herausgeberin des FemalExperts Magazins.

Nach oben scrollen
Skip to content