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Female Leadership: Frauen können Chef – natürlich weiblich!
Dunkel Hell

Female Leadership: Frauen können Chef – natürlich weiblich!

Nadin-Shirin Zimmermann
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Female Leadership bedeutet für mich mit weiblichen Qualitäten in Führung zu gehen und dabei für eine vernetztere und integrativere Art des Zusammenarbeitens einzustehen.

Die Leaderin profitiert hierbei, besonders von diesen drei weiblichen Skills, die in keinster Weise neu oder überraschend sind, jedoch im Business-Kontext bisher bestenfalls neutral tendenziell jedoch negativ konnotiert waren; nämlich:

  1. Vernetzungsfähigkeit,
  2. integrative Kommunikationsfähigkeit und
  3. Empathie.

Mit diesen Zukunftskompetenzen stehen Frauen jedoch ganz klar in der Pole-Position, wenn es um Führungsaufgaben von morgen geht!

Viele Studien belegen, dass die zukünftigen Netzwerk- und Kollaborationsfähigkeiten der entscheidende Erfolgsfaktor innovativer und resilienter Unternehmen sein wird. Und daraus ergeben sich Führungsanforderungen, die häufig als Wir-Qualitäten bezeichnet werden.

So hat auch der Harvard Business Review im Dezember 2020 eine Befragung von Mitarbeitenden veröffentlicht, in der während Krisenzeiten die Bedeutung der ‚interpersonal skills‘ von Führungskräften deutlich höher bewertet wurden als deren kognitive Kompetenzen. Ergebnis dieser Studie war auch, dass weibliche Führungskräfte durch Inspiration, Motivation auf der einen Seite und Initiative und Agilität auf der anderen Seite den Engagement Level ihres Teams deutlich besser steigern konnten als ihre männlichen Kollegen.

Und da gibt es weitere Fähigkeiten, die bei McKinsey inzwischen auf der Liste der Future Skills stehen und uns Frauen tatsächlich in die Wiege gelegt wurden. Ein Beispiel für solche Zukunftskompetenzen ist die Fähigkeit von Führungskräften Beziehungen aufzubauen und zu erhalten. Darunter subsumiert McKinsey Attribute, wie Menschlichkeit, Freundlichkeit und Nahbarkeit.

Also ganz klar: der berühmte „Katzentisch“ im Chefbüro, um Interaktionen und Austausch mit Mitarbeitenden möglichst kurz zu halten, hat ausgedient!

Nun bestand bisher die Führungsaufgabe weitestgehend darin, die Qualität und Effizienz der Organisation und ihrer Produkte und Services sicherzustellen. Jetzt liegt in vielen Bereichen der Fokus auf Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit an sich schnell verändernde Rahmenbedingungen. Somit braucht es resiliente Beziehungen, sowohl mit Mitarbeiter:Innen, Kolleg:Innen und Kund:Innen, als auch externen Organisationen und Unternehmen. Und dies bedarf, wie wir alle wissen, erweiterter Fähigkeiten, wie eben Vernetzungsfähigkeit, integrativer Kommunikation und Empathie.

Um die strategische Relevanz und Dringlichkeit der Vernetzungsfähigkeit für zukunftsfähige Unternehmen zu illustrieren, sind folgende drei Beispiele hilfreich:

Erstens, es entstehen sehr erfolgreiche digitale Geschäftsmodelle, bei denen Unternehmen weder alles selbst produzieren (müssen) oder alle Services inhouse betreiben (müssen), noch alle Technologien selbst entwickeln (müssen), sondern durch sogenannte Plattformmodelle unterschiedlichste Produkte und Dienstleistungen verknüpfen – sprich vernetzten. Bekannte Beispiele hierfür sind: Amazon, Zalando oder Westwing.

Ein weiteres Beispiel hoher Vernetzungsleistung sind Unternehmen, deren Kundenreise sich nahtlos ins entsprechende Ökosystem einfügt. Ein geläufiges Beispiel hier sind Onlineshops: Keiner legt mehr für jeden Shop ein Kundenprofil an, sondern erledigt dies über Social Media-Logins. Selbstverständlich ist auch die direkte Verknüpfung zur Webseite des Zahlungsanbieters und die nahtlose Interaktion mit dem Lieferservice zur Sendungsnachverfolgung sichergestellt. 

Aber nicht nur in der Außenwahrnehmung, sondern auch in den internen Organisationsstrukturen und -prozessen sehen wir klare Netzwerkbemühungen, bis hin zur Entwicklung einer Netzwerkorganisation. Das ist sicherlich der Anwendungsfall, den wir als Führungskraft oder Mitarbeitende am häufigsten erleben. Je nach Reifegrad der agilen Organisation wird schon in Circles gearbeitet oder agile Methoden sowie Tools eingesetzt. Und diese Arbeitswelten unterstützen und fordern eine neue und intensivere Art des Zusammenarbeitens und der Kollaboration.

Das zeigt deutlich – egal ob Unternehmens- oder Teamführung – Vernetzung ist eine zentrale Kernkompetenz von Führungskräften von morgen.

Souveräne Führung verbindet, vernetzt und lebt vor!

Und meine lieben Frauen, vernetzen machen wir ja nun täglich, wenn wir unseren Alltag jonglieren und morgens schon die Reitsachen einpacken und die Musikinstrumente parat stehen oder wir unsere Calls genau während des Fußballtrainings legen. 

Wenn wir uns auf dieses Verständnis von Führung einlassen, dann ist die Aufgabe von Führung, Menschen dafür zu öffnen, neue Wege zu gehen und selbst zu aktiven Gestaltern zu werden. Dazu braucht es eine passende Kommunikationsform, nämlich eine die verbindet und verbündet. Deswegen verstehe ich unter integrativer Kommunikation, verbal und non-verbal, einen Stil und einen Rahmen, indem Entwicklungspotentiale freigesetzt und Gestaltungsfreiheiten ermöglicht werden, sodass lernen Freude bereitet. Und diese Art der Zusammenarbeit – gerade auch in divers besetzten Teams – kann nicht mit YouTube-Tutorials oder Manager Magazin-Artikeln vermitteln werden, sondern nur durch Vorleben!

Und wie wirkungsvoll Vorleben ist, kennen wir alle, die Kinder durch die Trotzphase gebracht haben oder einen Teenager begleiten dürfen. Denn da brauchen wir keine Retrospektive oder ein Feedbackgespräch, die schmieren uns direkt aufs Butterbrot, wenn das, was wir sagen, nicht mit dem, was wir tun, übereinstimmt. Und das gilt genauso im Büro und ist meines Erachtens dringend nötig im Führungsteam!

Empathie ist die Basis für Reflexion und Perspektivenwechsel

Eigentlich glaube ich ja, dass ohne Empathie noch nie ein Unternehmen erfolgreich war. Aber als besondere Leadership-Qualifikation wurde dies sicherlich nicht bezeichnet, sondern eher als durchsetzungsschwach angesehen. Dabei bildet Empathie die Basis für Reflexion und Perspektivenwechsel: Zwei wesentliche Qualitäten, die wir in agilen Arbeitswelten, diversen Teamkonstellationen und innovativen Prozessen dringend benötigen. Nun ist Empathie nicht geschlechterspezifisch, jedoch weisen Menschen, die verschiedenste Rollen einnehmen, eine höhere Empathie-Fähigkeit auf. Und da haben wir Frauen sicherlich bereits seit Jahrtausenden ein großes Lernfeld und können sowohl durch Sozialisierung als auch durch eigene Erfahrungen empathisch führen.

Und nachdem Qualitäten, wie Vernetzungsfähigkeit, Kommunikation und Empathie auf verschiedenen Ebenen und in vielfältigen Bereichen benötigt werden, werden sie auch als „transferrable skill“bezeichnet. 

Also „transferren“ wir nun bitte genau dieses weibliche Können in die Chefetagen!!

„Was kann ich tun, um meine eigene Führungskompetenz zielgerichtet zu stärken?“

Nun, wenn der Mehrwert einer Führungskraft nicht mehr in der Fach- oder Managementexpertise, sondern im ehrlichen Sinne der Führung von Menschen liegt, dann werden persönliche Haltung und innere Werte wichtig. Und das beginnt mit Selbstführung. 

Für mich sind es drei Elemente der Selbstführung, die im Führungskontext von morgen von Bedeutung sind:

1. Den eigenen Wert und die eigenen Bedürfnisse kennen

Bezogen auf den eigenen Wert kennen, hören wir als Frau ja oft: „Du musst selbstbewusster auftreten und dich mal durchsetzen!“ Aber worum es hierbei tatsächlich geht, ist, seinen wahren Wert zu kennen; denn vielleicht liegt die persönliche Stärke im Zuhören oder im Ruhe bewahren, wenn im Meeting mal wieder alle Egos hochkochen… Und genau diesen Fähigkeiten kommt jetzt immer mehr Bedeutung zu und wir dürfen dies bewusst in der Führung als Stärke einsetzen und kommunizieren. 

Siehe auch
FemalExperts-Magazin-Vom-Businessblog-zum-digitalen-Businessmagazin

Der zweite Aspekt ist, sowohl seine eigenen Bedürfnisse zu kennen, als auch diesen Rechnung zu tragen. Klares Stichwort: PAUSE – denn das haben wir alle, spätestens in Corona erlebt: Wer sich nicht Inseln für sich selbst schafft, bei dem klappt dann auch der Rest nicht mehr. 

Und liebe Leaderin: Menschen, die ihre Bedürfnisse kennen und befriedigen, sind MOTIVIERTER… Also lasst uns im Meeting offen und ehrlich genau darüber reden! Gerade in Zeiten von Leadership-Tandems, Teilzeitführungskräften und ‚servant leadership‘ kommt es im wahrsten Sinne des Wortes darauf an, wie wir uns verstehen.

2. Verbunden mit dem Ganzen sein

Das klingt eher esoterisch, aber Fakt ist: Sich mit etwas Größerem verbunden zu fühlen, gibt Menschen Sinn und Orientierung! Und das wirkt sich auch im Job aus, denn wer sich dort verbunden fühlt, entscheidet nachgewiesenermaßen schneller und besser, weil der eigene Beitrag im Gesamtzusammenhang verstanden wird. Deswegen entwickeln viele Unternehmen auch in Zusammenarbeit mit der Belegschaft den „Purpose“, also das Warum des Unternehmens. 

Entscheidend hierbei ist, dass dieses Gefühl und das Bedürfnis von innen heraus entstehen und erst im nächsten Schritt mit dem Außen übereinstimmt. Andersrum funktioniert es nicht! Das heißt, es ist eine zentrale Aufgabe der Selbstführung, sich seiner individuellen Verbundenheit bewusst zu werden.

3. Achtsam mit sich und anderen sein 

Achtsamkeit, sicherlich ein aktueller Trend mit vielen großartigen Tipps auf Instagram, aber das verbinden wir ja eben auch nicht mit unserem Büroalltag. Womit wir uns beruflich jedoch stets befassen, ist Transformation: also mit der zentralen Frage, wie vertraute und vielleicht auch lieb gewonnenen Denk- und Handlungsmuster bei uns selbst und in unserem Team erneuert werden können. Und genau dazu bedarf es der Achtsamkeit. Das ist ein Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand, in dem ich mir und anderen (Kunden/Kundinnen, Kollegen/Kolleginnen, Wettbewerbern, Wettbewerberinnen, etc.) Aufmerksamkeit schenke. Und mit dieser Haltung werden Konflikte im eigenen Ich und im Miteinander wahrgenommen, so dass diese adressiert und nahbar gemacht werden, um die inneren und äußeren Handlungen einer Lösung sprich Veränderung zuführen zu können. 

Emotionen gehören dazu, darum sollten wir ihnen den Raum geben

Die Situation und die Emotionen wahrzunehmen, sie zuzulassen und anzunehmen, das hört sich natürlich fürs Büro fehlplatziert an. ABER – die Alternative es unterm Deckel zu halten und ‚back to daily business‘ funktioniert eher nur kurzfristig! Und der HBR (Harvard Business Review) hat klar gezeigt, dass Frauen besser durch die Krise geführt haben und den Engagement Level im Team hochgehalten haben, weil sie Empathie und Offenheit für Unsicherheiten, Fehler und Lernentwicklung und das ist nun mal immer mit Gefühlen verbunden, gezeigt haben. 

Wir alle haben die letzten 2-3 Jahre viel von unseren Ressourcen aufgebraucht und das spüren wir in jedem Teammeeting und in jeder Besprechung, in denen aufgrund des hohen Grads an Unsicherheit und reduzierter Energiereserven die Emotionen häufig richtig hoch kochen. Und mein Learning, sei es aus meiner globalen Projektleitungsrolle heraus oder als Führungskraft von interkulturellen Teams und ganz sicher in meinem Start-up, ist: Genau dafür Raum zu geben.

Somit ist mein Führungstipp: Lerne dich selbst kennen, finde heraus was Dir wichtig ist, für welche Werte Du stehst, was Dir Kraft und Energie gibt und was Dich antreibt? Dann hast Du schon gute Antworten und Klarheit über deine Führungskompetenz, um vernetzend, integrativ und emphatisch in Führung zu gehen.

Und das ist dann auch nicht starr nach dem Motto: „Ich führe nach dem Führungsstil XY.“, sondern deine Führung ist intuitiv und authentisch und das spüren die Menschen um dich herum. 

Folglich brauchst Du oft auch gar keinen Titel, sondern führst ganz selbstverständlich: Denn Frauen können Chef – natürlich weiblich!

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