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“Be wild. Be natural.” – Ein Interview mit Nicole Borek von Wild Baboon
Dunkel Hell

“Be wild. Be natural.” – Ein Interview mit Nicole Borek von Wild Baboon

Kinga Bartczak
Be wild. Be natural. Ein Interview mit Nicole Borek von Wild Baboon-Artikelbild

Heute dürfen wir euch Nicole Borek, Gründerin und Geschäftsführerin der Wild Baboon GmbH im FemalExperts Role Model Interview vorstellen.

Liebe Nicole, schön, dass du dabei bist! Ich freue mich eine Kölner Kollegin im FemalExperts Interview begrüßen zu können und „springe“ auch sogleich ins Thema:

Magst du uns einen kleinen privaten Einblick geben, frei nach der Frage: Wer ist Nicole Borek?

Ja, gerne. Danke für die Einladung zum Interview liebe Kinga.

Nicole Borek ist eine junge Frau, die die Freiheit liebt. Sie steht ein für Gerechtigkeit, Selbstbestimmtheit und Respekt gegenüber jedem Lebewesen (Ich bleibe mal in der dritten Person, ich finde es so lustiger).

Sie brennt für die Themen: Bewusstsein, Verbindung zwischen Mensch und Natur, Universum und Quantenphysik und mentale, physische und seelische Gesundheit. Sie weiß, dass all diese Themen zusammenhängen. Sie ist neugierig, eine gute Zuhörerin, abenteuerlustig und kreativ. Sie hat den Drang sich als menschliches Wesen weiterzuentwickeln und mag es, unkonventionell zu denken und bestehende, starre Strukturen und Denkmuster aufzulockern. Sie ist zielstrebig, konsequent und man kann mit ihr Pferde stehlen.

Auf Partys ist sie meistens die letzte auf der Tanzfläche, sie liebt es unter Leuten zu sein und liebt es genauso, sich in der Eifel in ein Holzhaus in der Natur zurückzuziehen (so wie jetzt gerade, während ich diese Zeilen schreibe).

Nicole Borek ist ein Familienmensch, ein Menschenfreund und liebt das Leben. Sie ist eine geborene Strategin, das Entrepreneur-sein liegt ihr im Blut und sie glaubt daran, dass selbst eine einzige Person, die Welt verbessern kann.

Du hast an der Cologne Business School einen Bachelor of Arts in International Culture and Management erfolgreich abgeschlossen. Was hat dich dazu bewogen, einen internationalen Fokus zu wählen?

Ich bin in Remscheid aufgewachsen und habe ziemlich schnell gespürt: Da draußen ist noch sehr viel mehr zu entdecken. Ich will raus, ich will die Welt sehen. Dafür ist ein internationales Studium ein guter Anfang. Ich wusste, um eines Tages international arbeiten zu können, musste ich mein (zu Abiturzeiten mittelmäßiges) Englischniveau anheben. Und auf einer Party in Köln habe ich dann Leute kennengelernt, die an der CBS studierten. Die ganze Partynacht habe ich die Studenten ausgequetscht, wie das alles so läuft und am nächsten Morgen habe ich dann gewusst: ich brauche einen Kredit und ich gehe an die CBS.

Du bist ein sprachliches Multitalent (Deutsch/Englisch/Spanisch/Polnisch). Welchen Vorteil bietet dir diese sprachliche Vielfalt?

Eine Sprache greifen zu können, zu be-greifen, hat viele Vorteile. Es ist nicht nur die reine Kommunikation. Vielmehr bekommt man erst dann wirklich einen tieferen Einblick in eine Kultur über die Art, wie sie ihre Sätze baut, welche Worte sie verwendet und worüber sie singt und lacht. Wenn du eine Sprache lernst, prägt es dich als Mensch, sich mit diesen unterschiedlichen Perspektiven auseinanderzusetzen. Und natürlich ist es gerade in Mexiko (Ursprungsland der Aloe Vera-Rohstoffe für mein Startup) für mich das Größte, mich mit Land und Leuten auf einer professionellen sowie privaten Ebene austauschen zu können.

Nicole von Wild Baboon auf Aloe Vera Farm, Mexiko
Nicole von Wild Baboon auf der Aloe Vera Farm, Mexiko

Nach dem Studium in die Selbstständigkeit zu starten, halten viele Leser*innen sicher für einen mutigen Schritt. Magst du uns hier auf deinen Weg ein wenig mitnehmen? Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Während meines Studiums liefen bei mir drei Gewerbetätigkeiten parallel, über die ich mich finanziert habe. Ich habe einen unternehmerischen Sinn und es macht mir Spaß, neue Branchen zu verstehen und in andere Welten einzutauchen. Die Aufgabenbereiche meiner Tätigkeiten während des Studiums waren so vielseitig, wie man es sich nur vorstellen konnte. Zum Beispiel habe ich mich um die Vermietung von vier hochwertigen Apartments in Köln gekümmert und zeitgleich war ich auf Messen als Dolmetscherin und Sales Support unterwegs.

Ich bin eine Generalistin, lerne schnell und finde neue Herausforderungen großartig. So sind dann meine kleinen Businesses von allein entstanden.

Mein Leben und mein Einkommen im Griff zu haben, hat mir immer schon gefallen. Und vor allem liebe ich es selbst zu entscheiden, wann und wie und von wo aus ich arbeite. Selbstbestimmt leben zu können, ist für mich ein großes Geschenk und das habe ich mir bis heute beibehalten. Die Selbstständigkeit ermöglicht es mir, so leben zu können.

Du bist in Köln auf einer Messe einem mexikanischem Aloe-Vera-Hersteller begegnet, woraus dann die Idee zu Wild Baboon entstand. Wie würdest du den Prozess von der Idee zur Unternehmensgründung genau beschreiben?

Die Entstehung von Wild Baboon war ein interessanter und sehr natürlicher Prozess. Diese Chance ist „zu mir gekommen“, als sollte es so sein.

Die verkürzte Geschichte meines Herzensprojekts Wild Baboon ging so: Auf einer Messe in Köln treffe ich ein mexikanisches Unternehmen, das sich mit dem ökologischen Anbau einer Pflanze beschäftigt, die ich zuvor in Mexiko im Auslandssemester kennenlernen durfte: Die Aloe Vera.

Die mexikanischen Aloe Vera-Farmer und ich verstehen uns auf Anhieb. Nach der Messe bekomme ich das Jobangebot, das Unternehmen auf internationale Messen zu begleiten, um bei Verkäufen und der Kommunikation zu unterstützen. Ich lerne den Herstellungsprozess der Aloe Vera und die Vorteile kennen und werde auf die Plantage eingeladen. Ich arbeite viele Jahre mit ihnen als Freelancerin zusammen, bis ich eines Tages beim Rotwein mit Pancho, dem Gründer der Familienfarm, zusammensitze. Wir diskutieren über die Wirtschaft und wahrscheinlich schwinge ich wieder Reden darüber, wie wir einen nachhaltigen Wandel über die Wirtschaft hinkriegen müssen. Und da sagt er zu mir: “Wieso erschaffst du nicht deine eigene Aloe Vera-Brand und setzt das alles um, was du im Kopf hast?”

Und nach einigen Überlegungen kam ich zum Ergebnis, dass das eine gute Idee sein musste. Ich konnte auf diese Weise nicht nur gesunde und wertvolle Produkte anbieten, die das Wohlbefinden der Menschen steigern, sondern zeitgleich auch die Art von Unternehmen aufbauen, die ich für die Zukunft als sinnvoll erachte: Nachhaltigkeit als Fundament für alle unternehmerischen Entscheidungen, Überzeugen durch hochwertige Qualität im Produktdschungel und das Tragen sozialer Verantwortung als Unternehmen ab dem 1. Euro Umsatz.

Die Idee für Wild Baboon war geboren.

Was ist das Außerordentliche an Aloe Vera und inwiefern sind deine Produkte für Kunden/Kundinnen besonders interessant?

Die Aloe Vera ist eine außergewöhnliche Heilpflanze, die in vielen Kulturen seit Jahrtausenden Anwendung findet. Jede/r, die/der ihren/seinen Sonnenbrand schon mal mit Aloe Vera versorgt hat, weiß, dass die Haut um ein Vielfaches schneller regeneriert.

Und das ist im Grunde die Superpower der Pflanze. Sie liefert die Nährstoffe und Bausteine, die unser Körper benötigt, um schnell gesunde neue Zellen nachzubilden und alte, beschädigte Zellen zu recyclen oder abzutransportieren. Und da nicht nur unsere Haut, sondern unser gesamter Organismus aus Zellen besteht, sind die Vorteile sehr vielseitig.

Je länger ich mit der Pflanze zu tun habe und über sie lerne, desto faszinierter bin ich.

Unsere Produkte sind besonders interessant, weil wir Produktqualität mit Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung kombiniert haben, sodass die Kund:innen wissen, sie können sich auf die Qualität unserer Produkte verlassen, nutzen Pflanzen aus nachhaltigem, verantwortungsvollem Anbau und ein Teil ihrer Investition wird in sinnvolle soziale Projekte reinvestiert.

Hattest du in diesem Zuge jemals Angst vor der Konkurrenz und berühmten Marktbegleiter*innen? Wie findet man als Gründerin hier einen guten Umgang ohne sich gleich entmutigen zu lassen?

Ich nenne die anderen Marken gerne Mitbewerber, denn auch hier glaube ich an eine sich unterstützende Wirtschaft der Zukunft, in der Ressourcen und Erkenntnisse zum Wohle der Gesellschaft und des Planeten miteinander geteilt werden. Vielleicht bin ich mit meiner Vision noch etwas zu früh dran, aber im Startup-Ökosystem kann ich schon mal behaupten, dass ich diese Atmosphäre unter den Gründer:innen wahrnehme.

Und entmutigen lassen habe ich mich nicht, denn ich glaube, der Markt ist groß genug für alle Marken, die aktuell vertreten sind. Jede Brand hat außerdem (im besten Fall) einen eigenen Charme. Und wenn die Menschen den Charme von Wild Baboon mögen, werden sie langfristig bei uns einkaufen, auch wenn wir noch relativ unbekannt sind.

Es braucht Geduld, Beständigkeit und Leidenschaft, dann gibt es wenig Raum für Entmutigung.

Siehe auch
Ein Interview mit Dr. Annelen Collatz-Titelbild

Nach der Gründung im Januar 2020 konntest du unglaubliche Entwicklungsschritte verzeichnen. Unter anderem hat der Verkauf im „Blaenk-Shop“ am Black Friday im gleichen Jahr für eine riesige Schlange in der Kölner Innenstadt gesorgt. Wie hat es sich angefühlt, dein eigenes Produkt lokal im Regal stehen zu sehen?

Es war ein unglaubliches Gefühl von der Wirtschaftsförderung als Aloe Vera One-Woman Show für ein Projekt auf der Schildergasse ausgewählt zu werden. Auch Martin, der Gründer vom blaenk store hatte einen persönlichen Draht zur Aloe Vera durch seinen Opa und hat sich gefreut, solche Produkte in seinem Laden zu haben. Es war ein Top Match und ich bin mit Martin bis heute in engem Austausch.

Wenn wir hier eine kleine Retrospektive wagen: Was würdest du rückblickend als größte Herausforderung bei der Gründung und Führung eines Unternehmens betrachten?

Ich glaube, die Gründung eines solchen Konzepts, wie Wild Baboon allein schaffen zu wollen, ist ein sehr gewagtes Vorhaben und erfordert viel Kraft, ein gutes Gespür und eine Menge Engel auf dem Weg, die dir im richtigen Moment den richtigen Tipp geben oder eine helfende Hand reichen.

Gibt es hier einen Tipp, welchen du (angehenden) Gründerinnen gerne mit auf den Weg geben würdest?

Traut euch. Ihr habt nichts zu verlieren – nur jede Menge zu gewinnen.

Als Gründerin ist es oftmals schwer, ein Investment für das eigene Unternehmen zu finden (Stichwort: Gender Investment Gap). Du hast dich bei Wild Baboon sogar bewusst gegen externe Investor*innen entschieden. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Aloe Vera-Produkte anzubieten, ist nicht gerade das innovativste, das die Welt je gehört hat. Ich wusste, wenn ich im Anfangsstadium Fremdkapital in die Firma hole, werde ich eine Menge Prozente für wenig Geld abgeben. Erstmal wollte ich selbst unter Beweis stellen, dass ein nachhaltiges und ganzheitliches Aloe Vera-Konzept eine Daseinsberechtigung auf dem Markt hat und Umsatz machen wird.

Außerdem genieße ich die Selbstbestimmtheit, jede Entscheidung allein treffen zu dürfen, ohne mich an Zielen von Geldgebern orientieren zu müssen. Sicherlich gibt es auch Business Angels und Investoren, die eine sanftere Art haben und wenig Druck ausüben.

Doch ich bin der Meinung, dass es bislang noch zu früh für Investoren war. Unter uns finde ich es auch ziemlich gut zu bootstrappen und zu schauen, wie weit man mit minimalen Mitteln kommen kann. Ich behalte dabei aber auch einen realistischen Blick auf die Situation und würde im (hoffentlich) richtigen Moment reagieren und Investoren mit ins Boot holen.

Wenn wir expandieren, wird dieser Schritt höchstwahrscheinlich auch nicht ausbleiben.

Mit Wild Baboon verpflichtet ihr euch den Fair Principles, ein Teil jedes Einkaufes wird an die „Neven Subotic Stiftung“ in Äthiopien gespendet. Was ermutigt dich dazu, auch mit deinem Unternehmen soziale/ökologische Verantwortung zu übernehmen?

Die soziale Verantwortung als wirtschaftliches Unternehmen zu übernehmen, ist die Vision, die mich antreibt. Ich denke, die Wirtschaft kann und muss ein Hebel für den Wandel in die richtige Richtung sein und dafür brauchen wir Firmen, die zeigen, dass Wirtschaftlichkeit und Impact Hand in Hand gehen können. Wenn man nur will.

Liebe Nicole, abschließend meine Lieblingsfrage: Wo werden wir dich und Wild Baboon in den kommenden Jahren sehen? Was sind die nächsten Entwicklungsschritte?

In den kommenden Jahren werden wir Europa mal ein wenig aufmischen und uns in hochwertigen Wellnesshotels, Apotheken und Drogerien platzieren. Wild Baboon wird dabei weit mehr sein, als „nur“ ein Unternehmen, das Produkte vertreibt. Wir verstehen uns als ganzheitlichen Partner auf der Reise zu mehr Gesundheit und Schönheit im Einklang mit der Natur. Liveformate, wie eine gemeinsame Fastenreise mit der Wild Baboon Community, wird es bereits im Januar 2023 geben. Und noch viele weitere spannende Formate. Wie heißt es bei Wild Baboon so schön: be wild. be natural.

Danke für die Einladung zu deinem Interview, liebe Kinga. Es hat Spaß gemacht!

Liebe Nicole, vielen Dank für diese spannenden Einblicke! Dein Beispiel zeigt, was für spannende Ideen entstehen können, wenn wir unserer Welt mit offenen Augen begegnen und neugierig sind, mehr zu erfahren und Besseres zu erschaffen.

Über die Autorin

Kinga Bartczak berät, coacht und schreibt zu Female Empowerment, neuer Arbeitskultur, Organisationsentwicklung systemischen Coaching, und Personal Branding.

Zudem ist sie Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen GmbH und Herausgeberin des FemalExperts Magazins.

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