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Wie wir den Gender Investment Gap gemeinsam überwinden können

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Dunkel Hell

Wie wir den Gender Investment Gap gemeinsam überwinden können

Kinga Bartczak
Gender Investment Gap-Titelbild

Herzlich Willkommen zum FemalExperts Podcast – Dein Podcast von Frauen, für Frauen, über Frauen. In der heutigen Podcast-Folge möchte ich über das Thema Gender Investment Gap sprechen. Hierbei lege ich speziell den Fokus auf die Finanzierung von weiblichen Start-ups. Es werden jedoch auch andere Finanzthemen und Anlageklassen, wie beispielsweise Aktien, Anleihen oder Kryptowährungen zur Sprache kommen, denn über Geld kann man schließlich nie genug reden.

Was ist der Gender Investment Gap?

Der Gender Investment Gap wird zum jetzigen Stand in zwei Weisen definiert: Einerseits beschreibt der Begriff die bestehende Lücke bei Investments in frauengeführten Unternehmen und andererseits die geringere Investitionstätigkeit von Frauen gegenüber Männern. Wir widmen uns hier dem ersten Ansatz und klären, warum Gründerinnen und deren Ideen kein Investment wert sind.

Nur 4 von 100 Start-up-Gründerinnen erhalten Wagniskapital

Schauen wir uns direkt mal die Zahlen an: 15,7 % Gründerinnen in der Start-up-Szene erhalten laut dem Female Founders Monitor 2020 nur 4% des an Start-ups verteilten Wagniskapitals. Da frage ich mich doch: Was läuft falsch in der Glitzer-Welt des Risikokapitals? Kurz zur Erklärung für diejenigen, die nicht in der „Start-up-Bubble“ leben: Start-ups sind meist schnell wachsende Unternehmen, die auf Fremdmittel angewiesen sind. Da Wagniskapital nicht zur Verfügung steht, wird auf andere Finanzierungsmöglichkeiten zurückgegriffen. Das Argument, dass frauengeführte Unternehmen weniger risikoaffin seien, hält sich ebenso hartnäckig sowie der Umstand, dass es die falschen Branchen seien, in denen gegründet wird. Wenn der Großteil an Wagniskapital von männerdominierten Risikokapitalgebern kommt, dann liegt auch die Vermutung nahe, dass diese in Branchen mit „risikoaffinen“ Männern investieren (Stichworte: Unconscious Bias und Gender Bias). Mangelhaftes Risikobewusstsein oder die falsche Branchenwahl sind somit Scheinargumente. Zumal sich ein Investment in frauengeführte Unternehmen eher auszahlt.

Warum ist es als Start-up Geld so schwierig an Geld zu kommen?

Du kannst dir sicher vorstellen, dass man mit einem innovativen, risikobehafteten Geschäftsmodell, welches sich in der Startphase befindet, schwerlich in eine Bank hineinspazieren und nach Kapital fragen kann. So haben vor allem Technologieunternehmen gezeigt, dass positive Geschäftszahlen durchaus wichtig sind, Wachstum jedoch weitaus schwerer wiegt. Daher sind Startup-Gründer*innen auch auf externe Investoren/Investorinnen angewiesen. 

Im Übrigen: Nicht nur wegen deren Geld, sondern auch wegen dem Know-how, Kontakten oder Erfahrungen, die diese mitbringen.

Wenn man einen genauen Blick auf diesen Bereich der Investmentbranche wirft, wird klar, welche Faktoren hier die Stolpersteine bilden:

  • Zu wenig Investorinnen: 10% aller Investorinnen in Europa sind weiblich, weshalb die Wahrscheinlichkeit, dass du dich in einer Finanzierungsrunde eher vor Männern wiederfindest, sehr hoch ist.
  • „Frauenthemen“: Frauen gründen öfter in Bereichen, die für Männer thematisch schwierig sind. Periodenunterwäsche, ein Algorithmus, um die richtige BH-Größe zu finden oder Kosmetik werden zwar gebraucht, sind aber leider kein attraktives Investment für klassische Kapitalgeber. 
  • Unconcious Bias / Gender Bias: Wie bereits erwähnt, können wir uns der unbewussten Voreingenommenheit nicht entziehen, weshalb wir die Projekte und Geschäftsideen fördern, die wir auch selbst gründen würden. Weibliche Vorhaben fallen hierbei noch zu oft durch das Raster.
  • Purpose vs. Kapital: Bei Frauen spielen Faktoren, wie „Green Economy“ oder „Social Entrepreneurship“ eine wichtige Rolle. Leider sehen viele Investoren einen Widerspruch zwischen einem wohlgemeinten, positiven und nachhaltigen Purpose und einer rasanten Skalierbarkeit. Männergeführte Start-ups, die diese Wertehaltung vertreten, müssen sich ebenso kritischen Nachfragen stellen, haben allerdings den Vorteil, die anderen Stolpersteine zu umgehen.
  • Workaholic-Mentalität: Es herrscht immer noch der Silicon-Valley-Aberglaube, seine Ernährung, seinen Schlaf, seine Beziehung und seine Work-Life-Balance dem Start-up nicht nur unterzuordnen, sondern sogar zu opfern. Durch „Gender Bias“ wird weiblichen Gründerinnen oftmals nicht zugetraut, Nächte durchzuarbeiten, Stress auszuhalten und schwere Entscheidungen zu treffen. Zusätzlich wird suggeriert, dass sich Mütter neben der Kindererziehung nicht voll auf das Unternehmen konzentrieren können.

Wie können wir dem Status Quo beim „Gender Investment Gap“ entgegenwirken?

1. Neue Rollenbilder

Wir sind selbst gefragt, wenn es darum geht, Rollenbilder zu verändern und aus bestehenden Verhaltensmustern auszubrechen. Wir leben unseren Kinder auch eine gewisse Lebenswirklichkeit vor und wenn meine Mutter nicht gearbeitet hätte und mir immer suggeriert hätte, dass meine (finanzielle) Unabhängigkeit einer der wichtigsten Lebensfaktoren sein sollte, weiß ich nicht, ob ich meinen Weg ins Unternehmertum überhaupt gewagt hätte. Dies gilt auch für Männer/Väter: Die Botschaft sollte sein, dass es für die Tochter keine Grenzen gibt (Überwindung von: „Sei brav, pass dich an, mache etwas sicheres“, hin zu: „Sei mutig, wage etwas und halte kritische Meinungen auch mal aus.“)

2. Unterricht in Schulen

Finanzunterricht oder gar Projekte mit dem Themenschwerpunkt „Entrepreneurship“ in Schulen sind überfällig. Kinder verbinden Geld oftmals mit Konsum und Selbstständigkeit mit Risiko. Dies sind völlig einseitige Verbindungen, die es zu erweitern gilt.

3. Frauen im Unternehmerinnentum

Frauen in der Unternehmensszene dürfen keine Ausnahme sein, sondern zur gelebten Realität werden. Das geht nur, indem sich die Geschlechter miteinander, aber auch untereinander solidarisieren. Wir dürfen nicht mehr suggerieren, dass erfolgreichen Frauen irgendwo einen Mangel haben müssen oder nicht mehr weiblich sein können.

4. Diversität

Teilweise bewegt sich zum Glück etwas, wenn auch aus der Not heraus: Viele Unternehmen merken, dass sie ihre Zielgruppen teilweise gar nicht mehr erreichen können, weil sie diese nicht mehr verstehen. Dies führt zu diverseren Teams, mehr Gleichberechtigung und einem kulturellen Wandel in der Start-up-Szene.

5. Politik

Wir sehen bereits bei der Frauenquote, dass sogenannte „freiwillige Verpflichtungen“ wenig bis gar nichts bringen. Es braucht Maßnahmen und Initiativen, die das Thema an der Wurzel packen. Entsprechend sind speziell aufgelegte Förderprogramme für weibliche Gründerinnen eine gute Idee, um dem Gap entgegenzuwirken.

Du siehst, im Bereich „Gender Investment Gap“ ist noch ein wenig Nachholbedarf. Es ist schon einiges in Bewegung und viele Ideen werden bereits umgesetzt:

  • So gibt es zunehmend mehr Investorinnen, die an die Öffentlichkeit treten und das Thema publik machen
  • Es gibt einige Finanzzeitschriften, wie die Courage oder das Strive Magazine, welche die Themen näher beleuchten
  • Und auch in der Szene selbst wird mehr über den Mangel an Risikokapital für frauengeführte Start-ups gesprochen

Mich würden deine Gedanken zu dieser Podcastfolge sehr interessieren – Wie siehst du das? Bist du mit diesem Thema schon mal in Verbindung gekommen oder bist du vielleicht selbst betroffen? Komme gerne mit mir in Kontakt, ich freue mich über einen gemeinsamen Austausch!

Vielen Dank fürs Zuhören oder Lesen
Deine Kinga

Quellen:

Female Founders Report 2020

Female Founders Report 2021

Fundright 2020: It’s time to fund right

Why Women-Owned Startups Are a Better Bet – BCG

Über die Autorin

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Kinga Bartczak berät, coacht und schreibt zu Female Empowerment, neuer Arbeitskultur, Organisationsentwicklung systemischen Coaching, und Personal Branding.

Zudem ist sie Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen GmbH und Herausgeberin des FemalExperts Magazins.

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