Was passiert, wenn man in zwei Ländern lebt, aber in keinem ganz dazugehört.
Man sagt, man wächst an seinen Erfahrungen. Ich würde ergänzen: Man wächst auch an seinem Dazwischen. Denn wer dauerhaft im Ausland lebt, wird früher oder später mit einer Frage konfrontiert, die sich nicht aufdrängt, aber unterschwellig immer mitschwingt: Wo gehöre ich eigentlich hin?
Sichtbar anders – Erfahrungen in Mexiko
In Mexiko bin ich eindeutig sichtbar anders. Egal, in welchem Bundesstaat ich unterwegs bin, man erkennt sofort: Sie ist keine Mexikanerin.
Und ja, es stimmt. Ich falle auf. Durch meine Sprache. Meine Mimik. Meinen Blick. Mein Tempo vielleicht.
Aber Mexiko hat mir etwas beigebracht, das ich nicht mehr missen möchte: Freundlichkeit öffnet Türen, wo Sprache noch hakt. Ein Lächeln, ein ehrlich gemeinter Smalltalk ¿cómo estás?, ¿todo bien? und schon wird aus Distanz oft Sympathie. Zugehörigkeit ist hier keine Frage der Herkunft, sondern der Haltung. Doch sie ist selten vollständig. Denn dazugehören heißt nicht, einfach nur „Hallo“ sagen zu können. Es bedeutet, die Zwischentöne zu verstehen. Und da wird es komplex. Mexikaner mögen es zum Beispiel überhaupt nicht, wenn laut diskutiert oder öffentlich gestritten wird. Wer mit aufgerissenen Augen, fliegenden Gesten und erhobener Stimme sein Anliegen durchsetzen will, stößt schnell auf höflich-unverständliche Blicke und Türen, die sich langsam wieder schließen.
Es ist subtil. Aber es ist da. Und irgendwann spürt man: Man ist nah dran, aber nicht ganz dabei. Nicht in jeder Tiefe. Nicht in jeder Selbstverständlichkeit.
Zurück in Deutschland und nicht mehr dieselbe
Letztens war ich wieder in Deutschland. Und plötzlich merkte ich: Auch hier bin ich irgendwie nicht mehr ganz von hier. Nicht, weil ich die Sprache nicht spreche, sondern weil sich Kleinigkeiten seltsam fremd anfühlen.
Da war diese Szene im Supermarkt – wobei, ich merke immer erst in Deutschland, dass „Supermarkt“ hier kaum jemand sagt. An der Kasse dann mein ganz persönliches Ritual: Ich zog aus meiner Hosentasche ein Hand voller Münzen. Ich bewahre sie dort auf, weil es schneller geht, Münzen aus der Hosentasche zu ziehen als umständlich im Portemonnaie zu wühlen. Nur: In Deutschland bringt das die umstehenden regelmäßig in Zeitnot. Denn ich muss fast jede einzelne Münze umdrehen, um zu erkennen, ob sie 10, 20 oder 50 Cent wert ist, während hinter mir die Warteschlange wächst und der Gesichtsausdruck der Kassiererin langsam entgleist. Für mich kein Problem, da scheine ich die südländische Gelassenheit übernommen zu haben…
Noch schöner war meine Hotelbuchung in einer Stadt, in der für mich überraschend Bargeld nicht mehr vorgesehen war (ausgewählt von meinem Auftraggeber).
Ich fragte nach dem Check – äh, der Rechnung und bekam zur Antwort:
„Du kannst jetzt mit dem Handy zahlen.“
Ich: „Mit welchem Handy?“
Sie: „Na, mit deinem.“
Ich: „Was soll mein Telefon jetzt tun?“
Es ging noch ein paar Schleifen hin und her, klar ich sollte kontaktlos mit dem Smartphone bezahlen. Ich habe die Funktion aber schlicht nicht aktiviert. Eine bewusste Entscheidung…
Und dennoch fühlte ich mich in dem Tophotel wie eine Zeitreisende und wurde musternd angesehen, als käme ich aus einem anderen Jahrzehnt.
In solchen Momenten wird spürbar: Ich bin nicht mehr die, die ich früher in Deutschland war und ich werde nie ganz das sein, was man in Mexiko als „una de nosotros“ versteht. Das Leben zwischen den Welten verändert etwas in einem, nicht dramatisch, aber spürbar.
In den ersten Jahren macht man sich darüber keine Gedanken. Alles ist neu, aufregend, man wächst, man lernt, man nimmt mit. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich fragt: Gibt es überhaupt noch einen Ort, an dem ich ganz dazugehöre?
Die Stärke des Dazwischen
Vielleicht liegt genau darin die Stärke. Nicht in der absoluten Zugehörigkeit, sondern im bewussten Dazwischen, in der Fähigkeit, sich auf zwei Systeme einzulassen und sich von beiden berühren zu lassen, ohne sich in einem zu verlieren. Es ist nichts für schwache Nerven, dieses Leben zwischen den Stühlen, aber es ist voller Tiefe, Überraschung und Menschlichkeit.
Und du?
Kennst du das Gefühl, nirgends ganz dazuzugehören und trotzdem überall ein Zuhause zu finden?
Ich freue mich auf eure Gedanken zwischen allen Welten.
Über die Autorin
Ich bin Corina Hoch, AI-driven B2B-Marketingstrategin, SEO-Expertin und Mental Health Coach zwischen Deutschland und Mexiko. Seit über zehn Jahren arbeite ich remote aus Mexiko und begleite Unternehmen, die in einer zunehmend digitalen und AI-geprägten Welt sichtbar werden und wachsen möchten.
Mein Arbeitsschwerpunkt liegt im B2B- und Interim-Management-Marketing:
Ich entwickle SEO- und AI-Search-Strategien, die Webseiten nicht nur in Google, sondern auch in ChatGPT, Perplexity und Gemini auffindbar machen. Dazu gehören Content-Clustering, AI-Optimierungsstrategien, Case Studies, Landingpages, Lead-Gen-Systeme und die komplette digitale Positionierung von Unternehmen.
Mit meinem Ansatz verbinde ich präzise Analyse, klare Sprache und echte Relevanz ohne Marketing-Overload, dafür mit Wirkung.
Parallel dazu baue ich mit AlmaSeren meine zweite Säule auf:
Ganzheitliche mentale Gesundheit für Frauen, insbesondere in Phasen der Neuorientierung und beruflichen Transformation. Dazu gehören Coaching, Retreats, Workbooks, Meditationen, Resilienztrainings und ein verständlicher Zugang zu mentaler und körperlicher Balance.
Beide Bereiche gehören für mich zusammen:
Nachhaltiges Wachstum, ob im Business oder persönlich, entsteht erst, wenn Klarheit, mentale Kapazität und strategischer Fokus zusammenwirken.
In meinen Artikeln teile ich Insights aus 10 Jahren New Work, der Arbeit zwischen zwei Kulturkreisen und meiner Rolle als Brückenbauerin im internationalen Kontext. Mein Ziel ist es, Frauen zu stärken, Orientierung zu geben und den Mut für neue Wege zu fördern.
Mehr über mich auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/corina-hoch/
- Corina Hoch
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