Hast du dich jemals gefragt, wo die Wut hingeht, die du nicht ausgesprochen hast? Oder wohin die Trauer verschwindet, die du verstecken musstest?
Regelmäßig begegne ich Frauen, die sich mental ‚ganz okay‘ fühlen, aber unter chronischen Nackenschmerzen, Verdauungsproblemen, Erschöpfung, Schlafstörungen oder einer ständigen inneren Unruhe leiden. Die Wahrheit ist: Wir können unsere Gefühle vielleicht mit dem Verstand unterdrücken, aber unser Körper vergisst sie nicht. Im Gegenteil, er wird uns immer wieder daran erinnern.
Gefühle sind Energie in Bewegung
Das Wort „Emotion“ leitet sich vom lateinischen ’emovere’ ab, herausbewegen. Biologisch gesehen ist eine Emotion eine komplexe Reaktion unseres Limbischen Systems, die durch unseren Körper fließt und im besten Fall auch wieder abfließen möchte.
Wenn wir Gefühle, wie zum Beispiel Trauer, Wut oder Verzweiflung unterdrücken, stoppen wir diesen natürlichen Fluss. Wir spannen die Muskeln an, atmen flach, erstarren vielleicht sogar. Wir unterdrücken das Gefühl oft unbewusst, weil es sich zu überwältigend oder „unpassend” anfühlt. Wir versuchen oft, nach außen hin stark zu wirken, obwohl uns das Aufrechterhalten dieser Fassade unglaublich viel Kraft kostet. Überall stark sein müssen: Für die Arbeit, die Familie, die Welt. Ein Dauerlauf im Außen, bei dem wir den Kontakt zu uns selbst verlieren.
Was passiert im Körper, wenn wir Emotionen zurückhalten?
Unterdrückte Emotionen verschwinden nicht einfach. Sie suchen sich einen anderen Ausdrucksort, oft im Gewebe, in den Organen oder im Nervensystem:
- Der Kloß im Hals: Oft nicht ausgesprochene Wahrheit oder unterdrückte Tränen.
- Enge in der Brust: Angst oder Trauer, die wir nicht auszusprechen wagen.
- Verspannte Schultern: Die Last, alles allein tragen zu müssen.
- Hormonelles Ungleichgewicht: Anhaltender emotionaler Stress signalisiert dem Körper Gefahr, was das sensible Hormonsystem schnell aus der Balance bringt.
- Magen- und Darmbeschwerden: Verdauung beginnt nicht erst im Darm, sondern in dem Moment, in dem wir entscheiden, was wir im Alltag aufnehmen, nicht nur Nahrung, auch Nachrichten, Gespräche, Social Media…
- Schmerzen im Kiefer: „Die Zähne zusammenbeißen“: Diese Redewendung kommt nicht von ungefähr.
Der somatische Weg: Wie du lernst, deinem Körper wieder zu vertrauen
Ein gesundes Körperbewusstsein bedeutet nicht, dass wir immer glücklich, gesund und zufrieden sein müssen. Es bedeutet, dass wir sicher genug sind, um zu spüren, was gerade da ist und im Vertrauen bleiben können.
Wir fühlen uns auch dann geerdet und gehalten, wenn wir Emotionen wie Wut, Angst oder Trauer durch uns hindurchfließen lassen. Jede Emotion ist wichtig. Jede Emotion ist richtig. Das Ende der Bewertung ist der Anfang deiner inneren Heilung und der Moment, in dem dein Körper endlich wieder weich werden darf.
Energetisch betrachtet sind Emotionen Schwingungsmuster, eine Frequenz deiner Lebensenergie, die durch dich hindurchfließt. Darf die Energie wieder fließen, entsteht Weite: Wir heißen jede Emotion willkommen – und lassen sie im Vertrauen auch wieder ziehen.
Eine kleine Übung für dich: Halte kurz inne. Schließe die Augen. Wo in deinem Körper spürst du gerade eine Enge, Anspannung oder Druck? Lege deine Hände übereinander auf diese Stelle deines Körpers. Atme genau dort hinein, ohne es verändern zu wollen. Sag dir: „Ich sehe dich. Ich danke dir. Wir sind sicher.“
Manchmal ist das einfache Wahrnehmen der Moment, in dem der Widerstand, die Enge, der Druck weichen und die Energie endlich wieder fließen darf.
Wie fühlst du dich nach der kleinen Übung?
Ich freue mich über deine Rückmeldung!
Alles Liebe,
Yve Nicole
Über die Autorin
Seit sechs Jahren begleite ich Frauen auf ihrem Weg zu mehr Körperbewusstsein, Gesundheit, innerer Balance und Selbstfürsorge. Als Entspannungspädagogin, zert. Qigong-Lehrerin, psychologische Beraterin und Autorin verbinde ich westliche Methoden wie Übungen aus der Atemtherapie mit fernöstlicher Weisheit, dem Heilströmen und der TCM. Dabei setze ich auf sanfte, ganzheitliche Wege, die Körper, Geist und Seele gleichermaßen ansprechen. Ich liebe die kleinen, unspektakulären Momente genauso wie tiefe Gespräche, Stille und das Gefühl, in mir selbst anzukommen. Kraft schöpfe ich in der Natur, beim Spazierengehen durch den Wald, am Wasser, beim Beobachten von Tieren. Kunst, Ausstellungen, Tanzen, Konzerte und das Kino berühren und inspirieren mich ebenso.
- Diese*r Autor*in hat bisher keine weiteren Beiträge.




