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VIER MINUS DREI: Was vom Leben bleibt

VIER MINUS DREI: Was vom Leben bleibt

Kinga Bartczak
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Wenn der Clown weint

Es gibt Geschichten, die man nicht erfindet. Die Geschichte von Barbara Pachl-Eberhart ist eine davon. An einem ganz gewöhnlichen Tag verliert sie alles, was ihr Leben ausmacht: Ihren Mann Heli und ihre beiden Kinder Fini und Thimo. Ein Bahnübergang, ein gelber Clownbus und dann herrscht Stille, wo vorher Lachen war.

Dass aus dieser Geschichte ein Film entstehen konnte, der nicht in Betroffenheitsgesten erstarrt, sondern ehrlich und lebendig bleibt, verdankt sich einer langen, sorgfältigen Zusammenarbeit. Regisseur Adrian Goiginger, Drehbuchautor Senad Halilbašić und Barbara Pachl-Eberhart selbst haben über Jahre daran gearbeitet, ihre Geschichte nicht einfach nachzuerzählen, sondern filmisch zu übersetzen. Ab 16. April ist das Ergebnis im Kino zu sehen.

Die Haltung des Clowns

Bild: Alamode Film & Polyfilm

Wer Clowns nur als Jahrmarktfiguren kennt, wird hier etwas anderes finden. Die Clownerei, wie Barbara und Heli sie leben, ist eine Philosophie: Man versteckt seine Schwächen nicht, man macht etwas daraus. Man schaut die Dinge von ihrer Kehrseite an. Es ist genau diese Haltung, die nach dem Unfall auf die härteste Probe gestellt wird. Barbara hat jahrelang als Krankenhausclownin gearbeitet, hat kranken Kindern Farbe in graue Stationsflure gebracht. Jetzt sitzt sie selbst im Wartezimmer und wartet auf Nachrichten, die sie nicht hören will.

Valerie Pachner spielt diese Frau ohne jede Sentimentalität. Ihre Barbara weint, bricht zusammen, steht wieder auf, lacht, verstummt. Pachner und Goiginger zeigen Trauer nicht als festen Zustand, sondern als etwas, das sich ständig verändert, das sich mit Alltag und Erinnerung und gelegentlichem Lachen mischt.

Ehrlich erzählen, nicht beschönigen

Goiginger, bekannt durch DIE BESTE ALLER WELTEN und den mit der Silbernen Lola ausgezeichneten DER FUCHS, hat sich bisher meist durch eigene Biografien gearbeitet. VIER MINUS DREI war ein anderer Schritt: die persönliche Geschichte eines anderen Menschen. Das bedeutete besondere Verantwortung. Barbara Pachl-Eberhart war deshalb in allen Phasen dabei, vom Drehbuch über das Casting bis zu Setbesuchen. Nicht kontrollierend, sondern begleitend.

Drehbuchautor Halilbašić, zuletzt mit der dritten Staffel von „Der Pass“ bekannt, saß stundenlang mit Pachl-Eberhart zusammen und stellte Fragen, die weit über das Faktische hinausgingen. Was sie gefühlt hat. Wie sie sich erinnert. Warum sie bestimmte Entscheidungen getroffen hat. Die meisten Szenen im Film sind wahr. Alle sind wahrhaftig.

Die Erzählstruktur pendelt zwischen dem Leben vor dem Unfall und dem schwierigen Danach. Diese Nichtlinearität ist keine formale Spielerei, sie ist notwendig: Man muss das Glück gesehen haben, um den Verlust begreifen zu können.

Ein Ensemble mit Gewicht

Robert Stadlober spielt Heli, und die Wahl ist naheliegend. Stadlober bringt eine echte komödiantische Ader und eine fragile Wärme in die Figur, die den späteren Verlust umso spürbarer macht. Stefanie Reinsperger als Barbaras beste Freundin Sabine ist diejenige, die Barbara auffangen muss, eine undankbare, aber zentrale Rolle. Hanno Koffler als der Schauspieler Friedrich bringt eine vorsichtige Zuneigung ins Spiel, und Ronald Zehrfeld gibt dem Arzt, der Barbara die schlimmste Nachricht ihres Lebens übermittelt.

Lachen und Weinen gleichzeitig

Bild: Alamode Film & Polyfilm

Die wohl stärkste Szene des Films ist das Begräbnis. Befreundete Clowns stimmen in der Kirche ein Lied an, das Heli und die Kinder geliebt haben, tanzen auf Stelzen, lassen Ballons fliegen, während die Särge hinausgetragen werden. Bei einem Testscreening hat Goiginger hinter sich Frauen lachen und gleichzeitig weinen gehört. Das war, sagt er, genau das, was er sich gewünscht hatte.

Siehe auch
Die leise Kunst des Wachsens-Artikelbild2

Es ist der Kern des Films: Trauer und Lebensfreude schließen einander nicht aus. Die Clownphilosophie, die Barbara ein Leben lang geübt hat, lässt sich nicht einfach ablegen, nur weil das Leben sie prüft. Sie muss jetzt anwenden, wovon sie immer gesagt hat, es mache sie aus.

Ein Film der Berlinale 2026

VIER MINUS DREI hatte seine Weltpremiere im Panorama der 76. Internationalen Filmfestspiele Berlin und basiert auf dem gleichnamigen SPIEGEL-Bestseller von Barbara Pachl-Eberhart. Produziert wurde der Film von 2010 Entertainment und Giganten Film, mit starker Unterstützung österreichischer und deutscher Förderpartner. Gedreht wurde im Herbst 2024, größtenteils in der Steiermark, in Graz und Umgebung.

Wer den Kinosaal verlässt, nimmt etwas mit. Vielleicht keine Antworten. Aber die Gewissheit, dass das Leben, so schwer es sich manchmal anfühlt, immer auch eine andere Seite hat.

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Über die Autorin

Kinga Bartczak
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Kinga Bartczak berät, coacht und schreibt zu Female Empowerment, neuer Arbeitskultur, Organisationsentwicklung systemischen Coaching und Personal Branding.

Zudem ist sie Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen GmbH und Herausgeberin des FemalExperts Magazins.

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