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Psychologische Sicherheit und Growth Mindset – ein starkes Duo

Psychologische Sicherheit und Growth Mindset – ein starkes Duo

Carla Gottschalk
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Diesen Film haben sicher viele schon gesehen: Moneyball. Darin verwandelt Brad Pitt als Teammanager eine durchschnittliche Baseball-Mannschaft in ein Top-Team. Das gelingt ihm, weil er die Mannschaft gegen jeden Zweifel und unter neuen statistischen Bewertungsmethoden passend zusammensetzt – es ist der richtige Spieler am richtigen Platz. Die Geschichte beruht auf wahren Begebenheiten: damals gelang den Oakland Athletics trotz weniger Mittel und übermächtiger Gegner viermal hintereinander der Playoff-Einzug – weil der Teamspirit und das Mindset jedes Einzelnen stimmte.

So sein dürfen, wie man ist

In vielerlei Hinsicht zeigt der Film, was Teams wirklich stark macht. Gibt es ein „Wir-Gefühl“, können sie gemeinsam viel erreichen. Nicht das einzelne Top-Talent entscheidet über den Erfolg, sondern zusammen an einem Projekt zu arbeiten, kreativ zu sein und zu gestalten. Fünf Faktoren sind hierbei entscheidend: Psychologische Sicherheit, Verlässlichkeit, klare Strukturen, Sinnhaftigkeit und Wirkung. Von diesen Faktoren ist psychologische Sicherheit wohl am kraftvollsten. Fühlen sich Menschen psychologisch sicher, befinden sie sich in einem Umfeld, in dem sie sagen dürfen, was sie wollen – ohne ein Risiko einzugehen. Nur dann entstehen vertrautes Miteinander und echte Verbundenheit.

Geprägt wurde der Begriff von Amy Edmondson, Professorin an der Harvard Business School – sie identifizierte psychologische Sicherheit als Grundlage für mehr Entwicklung, Lernen und Innovation. 50 Prozent mehr innovative Ideen bringen Teams ein, in denen Menschen so sein dürfen wie sie sind und sich gesehen und gehört fühlen, so das Ergebnis ihrer Studie, die sie in ihrem Buch „The Fearless Organization: Creating Psychological Safety in the Workplace for Learning, Innovation, and Growth“ veröffentlicht hat.

Ein bestimmtes Mindset

Genauso wie Unternehmen ein psychologisch sicheres Umfeld schaffen sollten, kann jeder mit einer bestimmten offenen und wertschätzenden Haltung aktiv dazu beitragen. Damit verbunden ist „The Power of a Growth Mindset“. Dieses Wachstumsdenken steht für ein dynamisches Selbstbild. Dahinter ist die Überzeugung, dass sich Fähigkeiten und Fertigkeiten im Laufe der Zeit verändern und entwickeln können. Herausforderungen werden dabei als Möglichkeit betrachtet, Kompetenzen zu erweitern und Fehler als wertvolle Lernchance angesehen. Man probiert sich aus, erlaubt sich, zu scheitern und probiert es wieder. Der passende Glaubenssatz dazu:

Ich kann mich weiterentwickeln und wachsen.

Damit einher gehen ein erhöhtes Selbstvertrauen, eine positive Einstellung, Entschlossenheit und Ausdauer, um langfristige Ziele zu erreichen. Das Gegenteil ist ein „Fixed Mindset“ – das nur auf Ergebnisse fixiert ist und Fähigkeiten für angeboren und starr hält.

An eigene Weiterentwicklung glauben

Sich zu hinterfragen und in sich hineinzuspüren, wo im Leben man ein Fixed und wo ein Growth Mindset hat, ist der erste Schritt zu Wachstum. Dies kann beispielsweise im Rahmen eines Coachings oder im Gespräch mit der Führungskraft geschehen. Gerade Führungskräfte nehmen hier eine wichtige Rolle ein – sie sollten unbedingt in das Thema einbezogen werden und dahinterstehen. Durch tägliches Journaling lassen sich zudem schnell Muster erkennen. Vielleicht schießen in gewissen Situationen immer wieder die gleichen Glaubenssätze in den Kopf, die zu Verunsicherung führen – positive Mantras helfen dann, sich selbst nicht weiter zu begrenzen und sich neue Dinge zuzutrauen. Der zweite Schritt ist, zu überlegen, was alles möglich wäre, wenn man an die eigene Weiterentwicklung glaubt.

Positiven Einfluss auf ein dynamisches Selbstbild hat zudem konkretes, ehrliches und entwicklungsorientiertes Feedback von außen. Dabei ist zwischen Feedback zum Verhalten oder zum gewählten Weg („Du hast dir wirklich Mühe gegeben, eine clevere Lösung zu finden“) und der Person („Du bist so schlau“) zu unterscheiden – ersteres bringt nachweislich deutlich mehr Lernfreude, Durchhaltevermögen und Motivation. Außerdem ist wichtig, den richtigen Zeitpunkt für Feedback zu wählen – zeitnah und kontextbezogen –, den passenden Ort – am besten im 1:1-Gespräch – und Stärken, statt Verbesserungspotenzial hervorzuheben.

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Wer sich regelmäßig selbst reflektiert, weiß konstruktives Feedback richtig aufzunehmen und einzuordnen. Fragen, die dabei helfen, sind: „Was habe ich gelernt?“ oder „Wofür bin ich dankbar?“, aber auch kritischer „In welchen Situationen habe ich meine Erwartungen nicht ganz erfüllt – was war trotzdem wertvoll daran?“.

Ein starkes Duo für moderne Zusammenarbeit

Zwei Übungen haben sich in der Praxis bewährt, um ein Growth Mindset zu stärken: Eine einfache Übung ist die „Warme Dusche“. Das Team bildet einen Kreis oder kleinere Gruppen. Eine Person setzt sich symbolisch oder physisch in die Mitte. Die anderen sagen reihum, was sie an dieser Person schätzen: Eigenschaften, besondere Momente, die ihnen im Gedächtnis geblieben sind, oder Bereiche, in denen sich die Person stark weiterentwickelt hat. Die zentrale Person hört nur zu und nimmt die Rückmeldung einfach an. Dann wird so lange gewechselt, bis jedes Mitglied einmal dran war. Das Schöne an der Übung: Sie lässt jeden einmal im Mittelpunkt stehen – das stärkt Selbstwert, Teamzusammenhalt und das Gefühl, gesehen und geschätzt zu werden. In der Folge trauen sich Menschen in der Regel häufiger, eigene Ideen einzubringen, Entscheidungen zu treffen und Schwächen zu zeigen.

Eine anspruchsvollere Übung, um eine positive Fehlerkultur zu fördern, kommt ursprünglich aus dem kreativen Schreiben: Kill your Darling. Diese Methode fördert, den Fokus in einem Prozess oder Projekt oder bei der Ideengenerierung nicht auf Perfektion oder Vermeidung von Fehlern zu legen, sondern bewusst den Status quo zu hinterfragen und nach Herausforderungen zu suchen. Dabei wird die Idee in den einzelnen Bestandteilen auf einem Flipchart dargestellt und zu jedem Teil nach Gegenargumenten gesucht und auf Notizzetteln dazu geklebt. Auf Grundlage der neuen Erkenntnisse findet ein weiteres Brainstorming statt. Hier kann man bewusst auch kritische Kolleginnen und Kollegen hinzuziehen, die rational bewerten und aussortieren. Die Methode kann selbst für erfahrene Teams sehr herausfordernd sein und sollte vor allem in frühen Projektphasen und mit Moderation durchgeführt werden – dann kann sie eine offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit und das gemeinsame konstruktive Problemlösen fördern. Außerdem zeigt sie, dass sich ein Arbeitsergebnis auch verändern und weiterentwickeln darf und soll. Wichtig ist, dass sich das Team darauf einlässt, dass es nicht um Personen, sondern das Ergebnis geht.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Ein Growth Mindset und psychologische Sicherheit sind ein starkes Duo für Lernen und Innovation. Das eine bringen Menschen mit, das andere ist das Umfeld – beides bedingt sich positiv. Es führt zu individuellen Fortschritten und dass sich Top-Teams entwickeln. Alles, was es dafür braucht, sind klare gemeinsame Ziele und Visionen, eine starke und unterstützende Führung und Raum für Entfaltung.

Über die Autorin

Carla Gottschalk
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Ich bin Carla Gottschalk, Managerin für Culture, Leadership & Enablement bei MHP – A Porsche Company. Hier arbeite ich als Expertin für Leadership Trends, Leadership Development, Coaching und Human Skills.
Das klingt nach vielen Buzzwords, aber mein Herz schlägt für echte Veränderungen, Inspiration, Kreativität, ausgefallene Workshops und individuelle Führung.

Neben meiner Tätigkeit begleite ich als systemischer Personal & Business Coach Menschen auf dem Weg zu einer tieferen Verbindung mit sich selbst und daraus resultierendem Wachstum - No Shortcuts. Just inner work!

Auf LinkedIn teile ich Einblicke in meine Arbeit rund um die Themen Leadership, Coaching und Entwicklung – immer mit einer Prise Humor und der Einladung, ins Gespräch zu kommen.

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