Früher habe ich meinen Urlaubskoffer gepackt wie eine Hoffnungskiste: 23 Kilo wurden ausgenutzt, als müsste ich in den zwei Wochen Auszeit gleich ein ganz neues Ich aus mir machen. Sommerkleider, die ich seit Jahren nicht mehr getragen habe, Krimis und Bücher über Design und Persönlichkeitsentwicklung, die ich mir selbst nicht mal beim Einschlafen laut vorlesen würde (Spoiler: natürlich flogen sie ungelesen wieder zurück) und hohe Schuhe, die sich nun wirklich nicht eignen, bei Hitze blasenfrei rumzulaufen… und das alles für zwei Wochen auf einer spanischen Insel?
Jetzt geht es schon einige Jahre in Folge auf die Kanaren. Meistens ist es Fuerteventura. Ich liebe diese Insel. “Fuerte” hat für mich etwas Magisches. Dort gibt’s nichts außer Wind, Stein und weiter Stein. Kein Trubel, keine Ablenkung, kaum Grün. Nur die Weite und ich. Und genau deshalb fliege ich immer wieder hin… weil ich dort runterkomme, auf’s Wesentliche beschränke, die Zeit und Probleme des Alltags vergesse. Auch beim Packen.
Heute packe ich anders. Heute packe ich mit Gefühl.
Klingt kitschig, aber ich meine das ernst. Ich packe funktional, pragmatisch – und gleichzeitig mit einem feinen Gespür für das, was ich wirklich brauche. Keine zehn Sommerkleider mehr, die eh nur in der Unterkunft hängen bleiben. Stattdessen: 2-3 bequeme Sportleggings, 2 UV-Shirts (Sonnenschutz ist Selfcare!), meine 2-3 Trekking-Schuhe und 2-3 schlichte Outfits, in denen ich mich wirklich wohlfühle (und mich beim Hotel-Buffet blicken lassen kann).
Denn mein Urlaub ist keine Showbühne. Es ist mein Rückzugsort. Mein Raum, um aufzutanken, loszulassen, nicht zu müssen – und auch nicht performen oder anderen gefallen zu müssen. Und ganz ehrlich: Wenn wir aufhören, ständig perfekt aussehen zu wollen, sind wir oft schon halb im Urlaubsmodus.
Female Empowerment beginnt im Koffer!
Das mag übertrieben klingen, aber ich finde: Wie wir packen, sagt viel darüber aus, wie wir mit uns selbst umgehen. Wer packt, um Erwartungen zu erfüllen (optisch, sozial, organisatorisch) reist selten wirklich mit sich selbst. Wer packt, um sich gut um sich selbst zu kümmern, nimmt sich Raum. Für Pausen, für Neugier, für Ruhe.
Ich hab lange geglaubt, ich müsse auch im Urlaub besonders sein: stylish, aktiv, inspirierend. Heute weiß ich: Ich darf auch einfach müde sein. Oder glücklich. Oder hungrig (und das bin häufig). Ich darf auf mein Bauchgefühl hören und nach einem Strandtag noch eine Pizza essen, ohne mich zu rechtfertigen. Das ist innere Freiheit.
Lass uns also gemeinsam deinen Koffer packen für einen Sommer, in dem du dich selbst nicht vergisst:
- Nimm Kleidung mit, die sich gut anfühlt – nicht nur gut aussieht.
Frag dich beim Einpacken: Kann ich in diesem Outfit atmen, lachen, tanzen, weinen, schlafen? Wenn du auch nur bei einem „Nein“ zögerst, lass es daheim! Pack lieber das ein, worin du dich beweglich und frei fühlst. - Pack deine Energie-Quellen ein.
Was gibt dir Kraft? Vielleicht ist es ein bestimmter Duft, ein kleines Puzzle für zwischendurch (mein persönlicher Geheimtipp), ein Notizbuch für Gedanken oder eine kurze Meditation auf dem Handy. Urlaub ist nicht nur für Selfies da, sondern auch für Selfcare. - Vergiss deinen inneren Kritiker zu Hause.
Wenn du das Gefühl hast, im Urlaub „etwas leisten“ zu müssen (spektakuläre Ausflüge, perfekte Fotos, 7 Bücher lesen), dann schick bitte diesen inneren Antreiber bitte auf Weltreise. Allein. Ohne Rückflugticket. - Pack dir eine Portion Erlaubnis ein.
Erlaubnis, nichts zu tun. Erlaubnis, spät aufzustehen. Erlaubnis, Pläne zu canceln. Urlaub ist nicht die Fortsetzung deines Alltags im Bikini, sondern deine Einladung, dich wieder mit dir selbst zu verbinden. - Nimm ein kleines Ritual mit.
Vielleicht eine Mini-Meditation am Morgen, ein Spaziergang bei Sonnenuntergang oder ein Dankbarkeitsmoment vorm Schlafen. Female Health beginnt nicht erst bei Ernährung oder Bewegung – sie beginnt bei Achtsamkeit im Alltag.
Fazit: Der Sommer gehört dir – ganz leicht.
Wenn du das nächste Mal deinen Koffer packst, mach’s dir leicht. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Lass Ballast daheim. Nimm mit, was dich stärkt. Und vielleicht auch das, was dich weich macht. Denn gerade im Loslassen zeigt sich oft, wie viel Kraft wir eigentlich haben.
Ich wünsche Dir einen Sommer, der dich nicht stresst, sondern stärkt. Einen Urlaub, der dich nicht überfordert, sondern umarmt. Und einen Koffer, der nicht nach „To-Do“ aussieht, sondern nach Freiheit.
Und in diesem Sinne: Buen viaje!
Über die Autorin
Jenniffer Feder ist Gründerin von re•set – einem achtsamkeitsbasierten Kreativkonzept, das Puzzles, Aromatherapie und Meditation vereint. Mit ihren Entspannungsboxen schafft sie ganzheitliche Erlebnisse, die Achtsamkeit, Kreativität und innere Ruhe im Alltag fördern. Sie steht für eine moderne, alltagstaugliche Achtsamkeit, die für alle Menschen zugänglich ist – unabhängig von Vorerfahrungen. Aus ihrer eigenen Krankheitserfahrung heraus engagiert sie sich besonders für Stressprävention und die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen. Ihre Vision: mentale Gesundheit darf schön, kreativ und selbstverständlich sein.
- Diese*r Autor*in hat bisher keine weiteren Beiträge.




