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Hilfe, ich bin Chefin! Hilfreiche Reflexionsfragen für den Einstieg als Führungskraft

Hilfe, ich bin Chefin! Hilfreiche Reflexionsfragen für den Einstieg als Führungskraft

Christina Wiesner
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Aller Anfang ist schwer… deiner auch?

Für manche Menschen ist die Übernahme einer Führungsposition die Erfüllung eines lange angestrebten Karrieretraums. Anderen wiederum fällt dieses Zepter zu einem bestimmten Zeitpunkt eher ungeplant in die Hände. Doch egal ob angezielt oder unverhofft: Der Übergang von Fach- zu Führungskraft ist keine Kleinigkeit und erfordert oft eine große Umstellung und dementsprechend steile Lernkurve.

Durch meine langjährige Arbeit als Coach weiß ich, dass der Enthusiasmus angehender Führungskräfte oft ebenso groß ist wie ihre Unsicherheit, Selbstzweifel und Überforderungsgefühle. Falls dir diese Situation schmerzlich bekannt vorkommt, bist du in bester Gesellschaft. Die gute Nachricht lautet jedoch: Deine Zweifel und Ängste sind wichtige Wegweiser in der Anfangsphase und bedeuten nicht, dass du der Herausforderung nicht gewachsen bist. Sie rufen dich lediglich dazu auf, dich bewusst und ernsthaft mit dem Übergang in deine neue Position auseinanderzusetzen. Die folgenden Fragen bieten einige Impulse zur Reflexion für den Führungs-Einstieg:

1. Wie kann ich meinen Übergang in die neue Position für mich und mein neues Team so reibungslos wie möglich gestalten?

    Den Übergang erleichtert eine gute Vorbereitung, insbesondere der ersten Wochen. Sammle nach Möglichkeit so viele Informationen über dein zukünftiges Team wie möglich, idealerweise aus verschiedenen Quellen. Überlege, wann und über welche Kanäle deine zukünftigen Mitarbeiter vom anstehenden Führungswechsel erfahren sollen und wie du deine offizielle Vorstellung gestalten möchtest. Der erste Eindruck lässt sich nicht wiederholen und legt den Grundstein für die Stimmung deiner ersten Wochen in Führung.

    2. Welcher Führungsstil passt am besten zu mir und zu meinen Mitarbeitenden?

      Der ideale Führungsstil liegt stets irgendwo in der Balance zwischen dem, was dir authentisch entspricht und dem, was deine spezielle Konstellation an Mitarbeitenden tatsächlich braucht. Diese beiden Pole auszuloten und in Einklang zu bringen ist eine Kunst für sich, lohnt sich aber: Nur wer sich nicht verbiegen muss, kann nachhaltig kraftvoll und entspannt führen. Wer allerdings einen Stil pflegt, mit dem die Mehrzahl im Team nichts anfangen kann, führt an seinem Team vorbei.

      3. Welche Eigenschaften zeichnen mich als Mensch, und damit auch als Vorgesetzte aus?

        Selbst wenn wir in unseren Rollen als Privatperson und Führungskraft unterschiedlich auftreten, bleiben wir im Großen und Ganzen doch dieselbe Person. Sich selbst gut einschätzen zu können ist eine wichtige Grundlage, um vorauszusehen, welche deiner Eigenschaften du gezielt als Stärken in die Führungsposition einbringen kannst und welche zum Stolperstein werden könnten. Reflexionsübungen, Feedback, Coaching und wissenschaftlich fundierte Persönlichkeits-Analyse-Tools können dir dabei helfen, diesen Eigenschaften auf die Spur zu kommen.

        4. Welche Werte möchte ich in meiner Rolle vor- und ausleben?

          Werte sind Ideale und Vorstellungen, die uns so wichtig sind, dass wir bewusst und unbewusst unser Handeln nach ihnen ausrichtigen. Stellt beispielsweise „Fairness“ einen wichtigen Wert für dich dar, wirst du dich in deiner Führungsrolle dauerhaft wohler fühlen, wenn deine Entscheidungen und Handlungen die Bedürfnisse aller Mitarbeitenden möglichst gleich berücksichtigen können. Liegt dir „Zuverlässigkeit“ am Herzen, kannst du überlegen, wie du selbst diesen Wert sichtbar vorleben und damit im Team als Standard etablieren kannst.

          5. Welche Rolle soll und will ich als Brücke zwischen meinen Mitarbeitenden und den höheren Führungsebenen spielen?

            Führungskräfte sind meist Vermittler zwischen der Ebene ihrer Mitarbeitenden und einer höheren Führungsebene, oder zumindest eine wichtige Schnittstelle nach außen. Wie du diese Rolle gestaltest, wo deine letztendliche Solidarität liegt und wie du die Interessen der verschiedenen Parteien unter einen Hut bringen kannst, sind heikle Fragen. Wer sich diese bereits im Voraus stellt, kann klarer und entspannter in die ersten Verhandlungen einsteigen.

            6. Welche Fähigkeiten bringe ich in meine Rolle mit? Wo besteht noch Lernbedarf?

              Vor Antritt einer Führungsposition ist es sinnvoll dir klarzumachen, welche Kompetenzen du bereits mitbringst, um eine solche Rolle auszufüllen – meist sind es wesentlich mehr, als dir bewusst ist! Dir auch mögliche Lernfelder einzugestehen, macht es dir einfacher, deine Grenzen zu erkennen und nötige Kenntnisse gezielt aufzuholen. Die Gegenüberstellung des Anforderungsprofils für deine Position und deines persönlichen Kompetenzprofils kann dabei sehr aufschlussreich sein.

              7. Welche Ziele und Themen möchte ich in meiner Anfangszeit priorisieren?

                Viele Führungskräfte rechnen damit, dass sie in den ersten Wochen viel Zeit haben werden, um sich einen Überblick über alle Aufgaben zu verschaffen und langsam das Tagesgeschäft aufzunehmen. Schneller als man denkt ist so jedoch das erste halbe Jahr vorbei, ohne dass du auch nur eines deiner Ziele erreicht hast – das sorgt für Frust. Umgehe das Phänomen der Anfangshemmung, indem du gleich zu Beginn definierst, an welchem Ziel oder Thema du auch schon in der chaotischen Anfangszeit arbeiten möchtest.

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                8. Wie kann ich mit anfänglichen Vorbehalten und Spannungen im Team umgehen, die sich auf mich als neue Führungskraft beziehen?

                  Frisch gebackene Führungskräfte müssen sich darauf einstellen, dass ihnen von Seiten ihres neuen Teams Skepsis, Zurückhaltung oder gar Misstrauen und Neid entgegengebracht werden. Dies trifft besonders dann zu, wenn du von der Rolle als Teamkollegin in die Rolle der Führungskraft aufsteigst. Bereite dich emotional auf Gegenwind vor, und überlege dir mögliche Strategien und Ansprechpartner, die du zum Einsatz bringen kannst. Verzweifele nicht, wenn beim Antritt deiner Position nicht alle Mitarbeitenden hellauf begeistert sind: Veränderungen brauchen Zeit.

                  9. Wie kann ich mich selbst dazu motivieren, die vor mir liegenden Herausforderungen anzupacken?

                    Die vorher erträumten Vorteile wie etwa mehr Verantwortung, Gestaltungsspielraum, materielle Vergütung usw. können im Lichte der ersten schweren Monate wie ein schwaches Trostpflaster für den immensen Mehraufwand erscheinen. Mache dir daher bereits im Voraus klar, wie du dich motivieren kannst, wenn die ursprünglichen Anreize ihren Glanz verloren haben. Dabei kann es helfen deine übergeordneten Lebensziele in den Blick zu nehmen und dich zu erinnern, wie du es geschafft hast, in bereits durchlebten Härtezeiten am Ball zu bleiben.

                    10. Wo finde ich Unterstützer:innen, die mich in meiner Anfangszeit begleiten?

                      An der Spitze ist es einsam und gleichzeitig ist der professionelle Austausch mit anderen Führungskräften von großer Bedeutung, um die ersten Hindernisse deiner Führungskarriere erfolgreich zu umschiffen. Insbesondere wenn dein unternehmensinternes Netzwerk nicht besonders groß ist, kann eine Begleitung durch einen externen Mentor oder Coach eine wertvolle Ressource darstellen. Ein vorbereitendes und einstiegsbegleitendes Coaching für angehende Fach- und Führungskräfte ist eine sinnvolle und langfristig ökonomische Investition, die immer mehr Unternehmen gerne tragen.

                      Deine Führung macht einen Unterschied

                      Ich bin der festen Überzeugung, dass die Welt ein schönerer Ort wäre, wenn mehr starke und kluge Frauen sich trauen würden, die Führung zu übernehmen. Aus der Erfahrung meiner Klientinnen weiß ich, dass dazu die Überwindung einer ruckeligen und von Zweifeln geprägten Einstiegsphase dazugehört. Wer sich auf dieses Initiationsritual gut vorbereitet, lernbereit und offen für Unterstützung bleibt, wird letztendlich die echten Anreize einer Führungsposition genießen: Das Vertrauen anderer, nachhaltigen Erfolg, persönliche Weiterentwicklung und das unübertroffene Gefühl, etwas in der Welt zu bewegen. Viel Glück auf deinem persönlichen Weg!

                      Deine Christina

                      Über die Autorin

                      Christina Wiesner
                      Website |  + Beiträge

                      Hallo, ich bin Christina!
                      Als Sozialpädagogin, Coach und Trauerbegleiterin stehe ich Menschen genau an den Stationen des Lebens zur Seite, die normalerweise nicht so gerne im Reiseführer gezeigt werden: in privat oder beruflich herausfordernden Zeiten, nach dem Tod eines geliebten Menschen oder Haustiers, Trennungen und anderen Umbruchsphasen, die eine persönliche Neuorientierung notwendig machen.
                      Ich bin der festen Überzeugung, dass gerade die Täler und Umwege des Lebens uns dazu herausfordern, uns zu vielschichtigen, starken und mitfühlenden Persönlichkeiten zu entwickeln. Mit Herzblut, Erfahrung und einer deftigen Prise fränkischem Humor unterstütze ich meine Klient:innen dabei, diese Herausforderung anzunehmen.

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