Manchmal begegnet uns Wunderbares an unverhofften Orten. Anfangs als zarter Funken, der sich später zum Leuchten entfaltet. Unsere gemeinsame Kolumne hat eine Vorgeschichte, die dieses sanfte Anwachsen und gegenseitige Inspiration beschreibt und uns beide, Nora und Jasmin, auf überraschende Weise enger miteinander verbunden hat. Was passiert ist, haben wir aufgeschrieben. Entstanden ist ein Artikel, der dazu inspiriert, (noch mehr) Gutes ins eigene Leben einzuladen und so mentale Gesundheit und Selbstwirksamkeit zu stärken.
- Wie alles begann – auf Instagram
- Geteilte Zuversicht stärkt Körper und Seele
- Unser Video-Call
- „Good things“: Die Kraft einer neuen Gewohnheit
- Gutes sehen lernen: So wirken Habits
- Ein Impuls, der Kreise zieht
- Achtsamkeitsübungen, Habits, Affirmationen:
Individuelle Wege, Gutes ins Leben einzuladen - Über Jasmin
Wie alles begann – auf Instagram
Jasmin erzählt: „Alles fing ganz unscheinbar an — auf Instagram. Dort sind wir uns gegenseitig gefolgt, ohne uns näher zu kennen. Doch dann hast du im Oktober 2025 (für mich genau im richtigen Moment) in einem Post erwähnt, dass du eine Frozen Shoulder hast. Und genau in diesem Zeitraum ging es mir mit meiner eigenen Schulter-Problematik so richtig schlecht. Ich hatte Schmerzen, war total unsicher und die ganze Zeit aktiv auf der Suche nach Informationen, was ich tun kann. Was du dann gemacht hast, hat mich wirklich überrascht: Du hast mir nämlich eine DM geschickt und mir deine Hilfe angeboten. Ich weiß noch wie ich dachte: ,Wow, sowas ist echt selten — jemand schenkt mir einfach so seine Zeit!‘

Geteilte Zuversicht stärkt Körper und Seele
Als ich Jasmins Kommentar las, dass sie ebenfalls betroffen ist, wusste ich genau, was sie gerade durchmacht. Wie man an dieser Erkrankung verzweifeln kann. Und wie sehr der dauerhafte Schmerz auf die Psyche schlägt.
Damals war ich schon seit einem Jahr mit meiner Schultererkrankung beschäftigt. Nach dem Tiefpunkt im März 2026, als ich meinen rechten Arm nur noch 30 Grad anheben konnte, permanent Schmerzen erlebte, stellte der dritte Orthopäde endlich die korrekte Diagnose: Frozen Shoulder. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Capsulitis adhesiva, eine äußerst schmerzhafte und langwierige Entzündung der Gelenkkapsel.
Mit der Diagnose kam der Wendepunkt meiner Krankengeschichte vom verzweifelten Erleiden zum aktiven Handeln, wodurch es mir auch mental langsam wieder besser ging. Um eine OP zu vermeiden, arbeitete ich ab da intensiv an meiner körperlichen Heilung mit Krankengymnastik, täglichen Mini-Übungseinheiten zu Hause und Stoßwellen-Therapie. Endlich nahm meine Beweglichkeit wieder zu, ganz langsam. Auch die Schmerzen wurden erträglicher. Was für ein beglückender Meilenstein, als ich bei der Gymnastik spürte, wie sich erstmals nach einem Jahr wieder meine Hände über dem Kopf berührten! Das postete ich bei Instagram zusammen mit einer Info zur Frozen Shoulder, auf die Jasmin reagierte. Deswegen sandte ich ihr eine Sprachnachricht, bot Austausch und Ermutigung an.
Jasmin: „Mir ging es damals mental und emotional nicht besonders. Bei einer Erkrankung wie der Frozen Shoulder und wahrscheinlich bei vielen chronischen oder langwierigen Leiden verliert man mit der Zeit die Zuversicht. Man denkt: ,Das wird nie wieder besser.‘ Dass du mich einfach so angeschrieben hast, hat mir das Gefühl gegeben, unterstützt und gesehen zu werden.“
Unser Videotelefonat
Bei unserem Videotelefonat gab es sofort tiefes Verständnis füreinander. Wir teilten unsere Erfahrungen. Außerdem erwähnte Jasmin kurz ein stärkendes Alltagsritual, das sie seit einiger Zeit durchführte, verbunden mit dem Satz „Good things are always happening to me“. Das berührte mich und säte ein Samenkorn in meinem Unterbewusstsein, das Monate später zu keimen begann. Eines Morgens war der Gedanke und damit zugleich die sanfte Affirmation da: „Mir möge Gutes geschehen.“ Dieser Satz ließ mich mit neuer Zuversicht in den Tag gehen.

Zunächst war mir nicht bewusst, dass sich der Wortlaut aus Jasmins Ritual verändert hatte, später fiel es mir auf. Beide Sätze haben gemeinsam, dass wir mit ihnen Gutes in unser Leben einladen. Schnell war klar: Hier schlummert die Idee für eine Kolumne. Jasmin, jetzt erzähl du bitte, wie genau du die Aussage „Good things are always happening to me“ für dich nutzt. Inwieweit ist es mehr als eine Affirmation? Du sprachst ja von Alltagsritual und bist Habit Coach, jetzt bin ich neugierig.
„Good things“: Die Kraft einer neuen Gewohnheit
Zusätzlich zur Frozen Shoulder hatte ich in dieser Phase die kraftraubende Aufgabe, meine Mutter in ein Pflegeheim umzuziehen und ihre Wohnung aufzulösen. Seit meinem Burnout 2016 bin ich an allem interessiert, was unsere mentale Gesundheit unterstützen kann. Ich merkte, wie meine Kraftreserven sich aufbrauchten. In dieser herausfordernden Zeit fand ich auf Instagram einen Post, der mich total inspiriert hat:
A friend made the suggestion to start a note in my phone called ‘good things always happening to me’ and to purposefully find something to add to it every day. Absolute game changer.
(@dimplez, viraler Post, erste Veröffentlichung Ende 2024 auf verschiedenen Social-Media-Profilen, später auch bei @tinybuddhaofficial)
Irgendwas an diesem Vorschlag hat mich innehalten lassen, denn ehrlich gesagt, hatte ich damals mein klassisches Dankbarkeitstagebuch schon ein bisschen satt. Es fühlte sich mehr nach Pflicht an, nach einer weiteren Aufgabe. Abends drei Dinge aufschreiben, für die man dankbar ist, war einfach nur ein weiteres To-do auf meiner Liste geworden, aber nichts mehr, was mich tatsächlich stärkte.
Gutes sehen lernen: So wirken Habits
Als Habit Coach, ausgebildet in der Tiny Habits Academy bei Linda Fogg-Phillips, bin ich immer auf der Suche nach Routinen, die etwas im Gehirn zum Positiven verändern.
Als Habit (Gewohnheit) versteht man ein Verhalten, das durch Wiederholung zur Routine wird, idealerweise an einen bestehenden Anker im Alltag geknüpft. In der Tiny Habits Methode, in der ich ausgebildet bin, geht es darum, kleine Verhaltensweisen so in den Tag einzubetten, dass sie sich von selbst festigen, ohne Willenskraft zu verbrauchen. Dass die von Dimplez initiierte psychologische Achtsamkeitsübung zum weltweiten Trend wurde, lässt sich leicht nachvollziehen. Man erlebt selbst schnell, wie wirksam diese Angewohnheit ist und wie gut sie den Fokus auf die positiven Aspekte des Lebens lenkt.
Ich nahm also dieses neue Habit in meinen Alltag auf und praktiziere es seitdem täglich. Meine Regel ist dabei ganz simpel: Nachdem ich meinen Tagebucheintrag geschrieben habe (das mache ich sowieso), ergänze ich eine gute Sache, die mir heute passiert ist. Seitdem ich das mache, merke ich, dass die Autorin mit dem Begriff „Game Changer” wirklich Recht hatte, denn bei dieser simplen Übung wird unsere Negativity Bias ausgetrickst. Unser Gehirn ist evolutionär darauf programmiert, alles zu scannen, was schiefgelaufen ist, um uns zu schützen. Das Gute hingegen nehmen wir oft als selbstverständlich hin und vergessen es sofort wieder. Oder nehmen es erst gar nicht wahr.
Indem ich nun jeden Abend festhalte, was mir Gutes passiert ist, schule ich meinen Blick. Ich sehe mich dann nicht mehr als diejenige, die aktiv nach Gründen für Dankbarkeit sucht. Ich sehe mich eher als Beobachterin von Geschenken des Lebens.
Beispiele für „Geschenke des Lebens“
Mir fällt jeden Tag etwas ein, auch wenn ich manchmal ein bisschen nachdenken muss. Hier ein paar Beispiele:
- Eine aufmunternde Nachricht oder ein Sprüche-Bild von einer lieben Freundin.
- Mein Sohn, der mir ganz ohne Aufforderung ein Glas Orangensaft bringt.
- Ein produktives Meeting in meinem Ehrenamt bei Action for Happiness, in dem sich jemand bedankt.
- Oder deine Nachricht, als du mich gefragt hast, ob wir zusammen an dieser Kolumne arbeiten wollen.
Was ich wichtig finde: Es geht für mich nie darum, das Negative komplett zu ignorieren oder toxisch positiv alles wegzulächeln. Der Schmerz ist ja trotzdem da, genauso wie alle Sorgen und Herausforderungen. Aber mit dieser Mini-Gewohnheit kann man sich in eine Identität hineinentwickeln, die sich immer mehr dafür öffnet, dass uns Gutes passiert. Diese dem Leben zugewandte Haltung ist ebenso Teil meiner Arbeit mit Klientinnen, die selbst gerade durch eine mental herausfordernde Zeit gehen oder mit einer langdauernden Schmerzerkrankung konfrontiert sind. Es freut mich, wenn ich Frauen stärken und begleiten kann, sodass sie trotz anhaltender Herausforderung immer mehr in die eigene Kraft kommen, besser auf vorhandene Ressourcen zugreifen und neue entwickeln können.
Bezogen auf meine Frozen Shoulder und die anstrengende Phase mit meiner Mutter habe ich dann wieder mehr wahrgenommen, dass in meinem Leben nicht nur Schmerz und Frust existieren, sondern gleichzeitig auch viel Schönes, Helles und Freudvolles. Das gibt mir eine unglaubliche Hoffnung und stärkt meinen Optimismus. Und das sage ich als jemand, der diesen Optimismus nicht automatisch hat (ich muss ihn mir jeden Tag neu erarbeiten). Dadurch ist der tägliche Check „good things happening to me“ als liebevolle Gewohnheit ein Werkzeug für mich geworden, dem Leben mehr zu vertrauen. Das merke ich mittlerweile daran, wenn ich schon tagsüber denke: „Oh, das ist gerade etwas Gutes, das schreibe ich heute Abend auf!” Dadurch erlebe ich Momente also doppelt positiv.
Ein Impuls, der Kreise zieht
Ich finde es faszinierend zu beobachten, wie die Idee Kreise zieht. Ich weiß von mindestens einer Person aus meiner Community, die diese Übung jetzt ebenfalls als tägliches Habit praktiziert, weil sie gesehen hat, wie sie mir hilft.
Und dann kam unser Gespräch neulich, Nora. Du hast mir erzählt, dass du dir dadurch den Satz “Mir möge Gutes geschehen” angeeignet hast. Ich finde das so wunderschön, weil er sich so perfekt mit meinem Habit ergänzt. Mein Ansatz schaut zurück auf das, was passiert ist und dein Satz ist wie eine Affirmation, eine Einladung an die Zukunft. Man könnte auch beides zusammen praktizieren, das Erlebte ehren und das Kommende einladen.
Achtsamkeitsübungen, Habits, Affirmationen: Individuelle Wege, Gutes ins Leben einzuladen
Diesen Gedanken von dir greife ich gerne auf, Jasmin. Gutes können wir auf vielfältigen Wegen in unser Leben einladen: bewusst beobachtend, aktiv affirmierend oder über tägliche Gewohnheiten. Jetzt sind wir beide gespannt, ob unsere Kolumne dich direkt inspiriert oder als zartes Samenkorn in deinem Unterbewusstsein keimen darf. So oder so wünschen wir dir: Möge dir Gutes geschehen, mögest du es wahrnehmen und dich daran erfreuen.
Über die Autorin
„Worte können unsere Seele streicheln und Menschen miteinander verbinden. Ich schreibe, um zu berühren und zu ermutigen.“ Tiefe Einblicke in eigenes Erleben und psychische Herausforderungen kombiniert mit journalistisch recherchierten Fakten, dazu eine Prise literarisches Schreiben – seit 2022 verfasst Nora Hille die Mental Health-Kolumne für FemalExperts. Ihre ermutigende Botschaft: Seelische Krisen lassen sich bewältigen. Auch mit einer psychischen Erkrankung kann ein gelingendes Leben wieder möglich werden. Und wir alle können so viel tun, um unsere mentale Gesundheit zu stärken.
Noras Bücher:
• „Wenn unsere Seele Hilfe braucht. Ermutigende Kurzgeschichten, die zeigen: Reden hilft!“ (Kinderbuch, Zaradiso Verlag, 2026).
• „Wenn Licht die Finsternis besiegt. Mit bipolarer Erkrankung Leben, Familie und Partnerschaft positiv gestalten.“ (Erzählendes Sachbuch, Palomaa Publishing, 2023)
Nora Hille ist Jahrgang 1975, glücklich verheiratet, zwei Kinder und genauso viele Katzen. Studium Geschichte, Literatur- und Medienwissenschaften. 12 Jahre Arbeit im Bereich Kommunikation/PR. Aus gesundheitlichen Gründen verrentet. Schwerpunktthemen ihrer Veröffentlichungen sind mentale Gesundheit und psychische Erkrankungen. Außerdem verfasst sie literarische Essays, Gedichte (sehr gerne Haikus), Kurzprosa und Gastartikel.
Mit Aufklärung und Anti-Stigma-Texten setzt Nora sich gegen Ausgrenzung und Abwertung psychisch erkrankter Menschen in unserer Gesellschaft ein für mehr Miteinander, Toleranz und Gleichberechtigung. Nora Hille ist Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Bipolare Störungen e.V. und von Hab Mut, zeig Gesicht e.V.
Auf Instagram zu finden unter: @norahille_autorin
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Jasmin Lotter
Jasmin Lotter ist Happiness Trainerin, Habit Coach und Meditationslehrerin — und arbeitet online mit Frauen in der Lebensmitte, die viel tragen und wieder bei sich ankommen wollen. Mit Methoden wie EMDR-Coaching, Positive Intelligence und der Tiny Habits Methode begleitet sie ihre Klientinnen dabei, mentale Stärke aufzubauen, Stress zu bewältigen und neue Alltagsroutinen zu entwickeln, die wirklich zu ihrem Leben passen. Ihr Motto: Entschleunigung ist eine Liebeserklärung an dein Leben. Sie lebt und arbeitet in der Algarve, Portugal, und ist unter dem Namen Happiemotion zu finden.
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Diese*r Autor*in hat bisher keine weiteren Beiträge.




