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Gentle Monster: Wenn das Vertrauen in den eigenen Mann zur offenen Frage wird

Gentle Monster: Wenn das Vertrauen in den eigenen Mann zur offenen Frage wird

Kinga Bartczak
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Lucy zieht mit ihrer Familie aufs Land. Ihr Mann braucht Ruhe, sie wollen gemeinsam neu anfangen. Dann kommt die Polizei. Marie Kreutzers neues Drama „Gentle Monster“ erzählt davon, wie ein Verdacht bis in die vertrautesten Momente einer Beziehung hineinreicht. Mit Léa Seydoux und Jella Haase stehen zwei Frauen im Mittelpunkt, die aus ganz unterschiedlichen Gründen mit derselben Wahrheit leben müssen.

Man kennt die Geschichten des anderen, weiß, wie er morgens seinen Kaffee trinkt, wann er Ruhe braucht und worüber er lacht. Aus solchen Kleinigkeiten wächst über Jahre das Gefühl, einen Menschen zu kennen. Für Lucy bekommt dieses Gefühl plötzlich Risse.

Die Konzertpianistin, gespielt von Léa Seydoux, ist mit ihrem Mann Philip und ihrem gemeinsamen Sohn aufs Land gezogen. Philip, ein Filmemacher, erholt sich von einem Burnout. Es gibt Spannungen zwischen den beiden, wie sie zum Zusammenleben gehören. Aber es gibt auch Liebe.

Als die Polizei für eine Hausdurchsuchung vor der Tür steht, wird aus dem gemeinsamen Alltag eine Situation, auf die sich niemand vorbereiten kann. Der Verdacht gegen Philip betrifft Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern. Die Ermittlerin Elsa, gespielt von Jella Haase, braucht Antworten. Lucy muss zunächst begreifen, welche Fragen sie ihrem Mann überhaupt stellen muss.

Was hätte sie wissen können?

©Frédéric Batier – Film AG – Alamode Film

Von außen lässt sich eine Beziehung oft erstaunlich leicht beurteilen. Irgendetwas müsse ihr doch aufgefallen sein. Sie werde schon etwas geahnt haben. Und warum geht sie nicht sofort?

Solche Sätze sind schnell gesagt. Wer sie ausspricht, muss gerade nicht die eigene Familie, die gemeinsamen Erinnerungen und die Liebe zu einem Menschen neu einordnen.

Hier wird „Gentle Monster“ für uns bei FemalExperts interessant. Lucy ist eine Frau mit einem eigenen Beruf und einem eigenen Leben. Trotzdem kann sie erschüttert werden von etwas, das sie nicht gesehen hat. Selbstständigkeit schützt nicht vor Täuschung. Und wer einem Partner vertraut, trägt deshalb keine Verantwortung für dessen verborgene Handlungen.

Kreutzer hat Lucy und Philip bewusst als ein Paar entworfen, das zu ihrem eigenen Freundeskreis gehören könnte. Im Presseheft beschreibt sie zwei Menschen, die weder perfekt sind noch eine perfekte Beziehung führen. Gerade das macht die Ausgangssituation so unangenehm vertraut. Es gibt kein eindeutig fremdes Milieu, auf das sich zeigen ließe. Da sind Menschen, bei denen man vielleicht selbst schon einmal zum Abendessen gesessen hätte.

Elsa muss weiterarbeiten

Während für Lucy alles persönlich ist, muss Elsa ihren Job machen. Sie ermittelt, fragt nach, ordnet ein. Dass hinter einem Fall eine Familie steht, ändert nichts daran, dass sie ihn aufklären muss.

Für die Figur sprach Marie Kreutzer mit Polizeibeamt:innen, die täglich in diesem Bereich arbeiten. Sie war überrascht, wie jung viele von ihnen waren. In den frühen Drehbuchfassungen hatte sie Elsa noch deutlich älter angelegt. Die Begegnungen während der Recherche veränderten die Rolle.

Dieses Detail sagt viel über Kreutzers Arbeitsweise. Sie schaut hin und lässt zu, dass die Wirklichkeit ihre Vorstellungen korrigiert. Elsas sachliche Art geht ebenfalls auf diese Gespräche zurück. Wie hält jemand eine solche Arbeit aus? Was hilft dabei, am nächsten Morgen wieder hinzugehen? Schon die Figur einer jungen Ermittlerin eröffnet Fragen, die neben dem Schicksal der Familie leicht aus dem Blick geraten.

Mit Lucy und Elsa begegnen sich zwei Frauen, die dieselben Vorgänge aus grundverschiedenen Positionen betrachten. Eine muss ihr Privatleben neu verstehen, die andere darf sich im Beruf davon nicht überwältigen lassen.

Wenn selbst die Sprache keinen Halt gibt

©Frédéric Batier – Film AG – Alamode Film

In Lucys Familie wird Deutsch, Französisch und Englisch gesprochen. Was im Alltag selbstverständlich funktioniert, wird im Kontakt mit den Behörden komplizierter.

Kreutzer erzählt im Presseheft, dass ihr diese zusätzliche Unsicherheit wichtig war. Eine Sprache zu sprechen bedeutet nicht automatisch, sich darin auch unter Schock sicher ausdrücken zu können. Gerade dann, wenn jedes Wort zählt, fehlen womöglich die richtigen.

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Für Lucy kommt damit etwas sehr Konkretes hinzu: Sie muss eine ohnehin kaum fassbare Situation in einer Sprache bewältigen, die nicht ihre erste ist. Das ist ein kleines Detail mit großem Gewicht. Es macht verständlich, wie allein sich jemand fühlen kann, obwohl Menschen um ihn herum reden, erklären und Fragen stellen.

Was Kreutzer nicht zeigt

Bei einem Film über sexualisierte Gewalt an Kindern stellt sich auch die Frage, welche Bilder er dem Publikum zumutet. Für Kreutzer stand früh fest, dass sie keine Missbrauchsbilder reproduzieren würde. Das Material, mit dem die Polizei arbeitet, bleibt außerhalb des Bildes.

Die Entscheidung gehört zum Kern ihres Vorhabens. Sie will von dieser Gewalt erzählen, ohne die Perspektive der Täter zu übernehmen. Die Erschütterung soll über die Menschen verständlich werden, deren Leben davon berührt wird.

Entstanden ist die Idee nach der Lektüre einer Reportage im Sommer 2020. Kreutzer beschäftigte besonders der Gedanke, dass Täter Menschen sein können, die man kennt und denen man vertraut. Für „Gentle Monster“ wurde daraus eine Geschichte über die schmerzhafte Grenze unserer Menschenkenntnis.

Und über eine Frau, der die vertrauten Erinnerungen bleiben, während ihre Bedeutung sich verändert. War das gemeinsame Leben so, wie Lucy es erlebt hat? Was davon kann sie noch glauben? Von ihr sofort eine eindeutige Antwort zu erwarten, wäre bequem. Sich auf ihre Unsicherheit einzulassen, ist die schwierigere Aufgabe.

„Gentle Monster“ startet am 17. September 2026 im Kino. Regie und Drehbuch stammen von Marie Kreutzer. Neben Léa Seydoux, Jella Haase und Laurence Rupp spielt Catherine Deneuve mit. Den Trailer und weitere Informationen gibt es bei Alamode Film.

Über die Autorin

Kinga Bartczak
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Kinga Bartczak berät, coacht und schreibt zu Female Empowerment, neuer Arbeitskultur, Organisationsentwicklung systemischen Coaching und Personal Branding.

Zudem ist sie Geschäftsführerin der UnternehmerRebellen GmbH und Herausgeberin des FemalExperts Magazins.

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