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Ethical Influence: Gibt es eine ethische Art, so groß zu werden wie Mel Robbins?

Ethical Influence: Gibt es eine ethische Art, so groß zu werden wie Mel Robbins?

Andreja Stella Drozdan
Gibt es eine ethische Art, so groß zu werden wie Mel Robbins-Artikelbild

Wir leben in einer Zeit, in der Menschen mit einem Mikro, ein paar Buzzwords und einer guten Kamera in Rekordzeit zu „Stimmen der Welt“ werden.

An der Spitze: Selbsthilfe-Stars wie Mel Robbins oder Jay Shetty.

Und während die einen sie feiern, spüren die anderen ein diffuses Unbehagen:

„Irgendwas daran fühlt sich falsch an – aber warum?“
„Und noch wichtiger: Gibt es eine Art, ähnlich sichtbar zu werden – ohne diese Tricks?“

Genau darum geht es in diesem Artikel.

Das Problem: Parasoziale Beziehungen als Geschäftsmodell

Wer Mel Robbins zuhört, hört nicht nur Tipps. Man hört eine perfekte Marketing-Maschinerie.

  • „Hey, es ist deine Freundin Mel…“
  • „Ich liebe dich, ich glaube an dich…“
  • „Willkommen in der Mel-Robbins-Familie…“

Klingt warm, klingt freundlich, ist aber ein System.

Es ist nicht echte Nähe, es ist konstruierte Nähe – für Millionen von Menschen gleichzeitig.

Das ist keine Freundschaft, das ist parasoziale Bindung:

Du hast das Gefühl, jemanden zu kennen, der dich nicht kennt – und genau daraus entsteht Macht.

Wenn man das durchschaut, stellen sich zwei Fragen:

  1. Ist das Manipulation?
  2. Und wenn ja: Bin ich als Unternehmerin automatisch raus aus dem Spiel, wenn ich so etwas nicht machen will?

Meine Antwort an dich:

Ja, vieles davon ist Manipulation.
Nein, du bist nicht raus. Du spielst nur ein anderes Spiel.

Die echte Frage: Willst du eine Fan-Community – oder Kundinnen, die eigenverantwortlich handeln?

Die Robbins/Shetty/Influencer-Schule baut ein bestimmtes System:

  • Sie tun so, als wären sie deine Freundin oder dein innerer Kreis.
  • Sie nutzen emotional aufgeladene Sprache (Lovebombing, Tränen, Storytelling-Drama).
  • Sie verschmelzen „Liebe“ mit Calls-to-Action: Teilen, Kaufen, Abonnieren = Zeichen deiner Verbundenheit mit ihnen.

Das Ergebnis:

Du fühlst dich gesehen – und arbeitest kostenlos für deren Reichweite mit.

Die Frage ist nicht: „Ist das schlau?“ – ja, ist es.

Die Frage ist: Willst du das? Willst du ein Business aufbauen, das auf emotionaler Abhängigkeit basiert?

Wenn deine Antwort Nein ist, dann lies weiter.

Ja, es gibt eine ethische Art, so groß zu werden – aber sie sieht anders aus!

Ich nenne sie für mich: Ethical Influence – Einfluss ohne Manipulation.

Keine Buzzwords, keine emotionalen Spielchen – sondern ein bewusst gestaltetes Kommunikationssystem.

Keine Illusionen, keine Inszenierung – sondern ein klarer Weg zurück zur Integrität.

Er besteht im Kern aus vier Dingen:

  1. Verbindung statt parasozialer Bindung
  2. Führung statt Manipulation
  3. Klartext statt Theater
  4. Empowerment statt Abhängigkeit

Gehen wir da einmal konkret durch.

1. Verbindung statt parasozialer Bindung

    Die parasoziale Masche funktioniert so:

    • „Wir sind Familie.“
    • „Ich liebe dich, obwohl wir uns nicht kennen.“
    • „Diese Folge ist genau für dich, genau das was du jetzt brauchst.“

    Das erzeugt Illusion: Nähe ohne Beziehung.
    Menschen, die einsam, erschöpft oder orientierungslos sind, sind dafür besonders empfänglich.

    Die ethische Alternative: Authentische Resonanz.

    Das heißt in der Praxis:

    • Du behandelst dein Publikum wie erwachsene Menschen, nicht wie bedürftige Kinder.
    • Du sagst nicht, dass du sie liebst, wenn du sie nicht kennst.
    • Du erlaubst Nähe, aber nennst die Beziehung beim Namen: „Du kennst mich über meine Inhalte – und ich begleite dich ein Stück.“
    • Du bist persönlich, ohne so zu tun, als wärt ihr beste Freundinnen.

    Das wirkt weniger „süß“ – aber extrem vertrauenswürdig.
    Und Vertrauen ist eine langfristigere Währung als Hype.

    2. Führung statt Manipulation

      Manipulation ist:

      Ich lenke dich in eine Richtung – und erzähle dir nicht, dass ich dich lenke.

      Mel & Co. machen das z.B. so:

      • erst Lovebombing,
      • dann subtile Hypnose-Sprache („time will slow down, your heart will soften…“),
      • dann: Call-to-Action: Teilen, abonnieren, weiterverbreiten – verpackt als Akt der Liebe.

      Ethical Influence macht das Gegenteil:

      • Du sagst, was du tust.
      • Du sagst, warum du es tust.
      • Und du lässt Menschen bewusst entscheiden.

      Konkrete Beispiele für saubere Führung:

      • „Ich habe am Ende dieses Artikels ein Angebot für dich – lies in Ruhe, prüf, ob es für dich dran ist.“
      • „Wenn dich das hier weiterbringt, kannst du es gern teilen – aber nur, wenn dein Bauchgefühl ja sagt.“
      • „Ich verdiene mit meiner Arbeit Geld. Das ist kein Geheimnis. Aber ich werde nie versuchen, dich über Druck oder künstliche Dramen in ein Programm zu bekommen.“

      Du führst – ohne zu tricksen.
      Du verkaufst – ohne Nervensysteme zu kapern.

      3. Klartext statt Storytelling-Theater

        Natürlich ist Storytelling kraftvoll. Aber es gibt einen Unterschied zwischen:

        • ehrlicher Geschichte und
        • choreografierter Emotionalität.

        Wenn jemand zum hundertsten Mal dieselbe „berührende“ Story erzählt, jedes Mal mit perfekt platzierten Tränen – dann ist das keine Authentizität mehr. Das ist ein Bühnenmittel.

        Was ist die Alternative? Klartext + echte Emotion – ohne Inszenierung.

        Das bedeutet für deinen Content:

        • Du darfst emotional sein – aber du musst dich nicht emotional inszenieren.
        • Du darfst Schwäche zeigen – ohne sie als Hook zu benutzen.
        • Du darfst Dinge beim Namen nennen – auch wenn es nicht wie eine perfekt kuratierte Instagram-Story klingt.

        Zum Beispiel:

        • statt: „Ich habe geweint und dann hat das Universum mir ein Zeichen geschickt…“
        • eher: „Ich war an einem Punkt, an dem ich kurz davor war, alles hinzuschmeißen – und habe mich dann entschieden, Verantwortung zu übernehmen.“

        Weniger Drama, mehr Wahrheit.
        Und ja: Es gibt Menschen, die damit weniger anfangen können.
        Die bleiben dann bei den Gurus – vollkommen okay.

        Die, die bei dir bleiben, wollen Realität, nicht Theater.
        Und das sind oft die, mit denen du wirklich arbeiten willst.

        4. Empowerment statt Abhängigkeit

          Das vielleicht wichtigste Unterscheidungsmerkmal:

          Mel & Co. sind oft das Zentrum des Universums.
          Botschaft: „Du brauchst mich. Meine Methoden. Meine Stimme. Meine nächste Folge.“

          Ethical Influence dreht das um:

          „Du brauchst vor allem dich selbst.
          Ich gebe dir Werkzeuge, Perspektiven, Räume – aber ich will, dass du ohne mich klarer, stärker, freier wirst.“

          Siehe auch
          Warum Female Businesses oft am eigenen Anspruch scheitern-Artikelbild

          In der Praxis heißt das:

          • Deine Inhalte bauen Kompetenz auf, nicht nur Konsum.
          • Deine Programme stärken Selbstführung, nicht Anhängerschaft.
          • Dein Ziel ist nicht, dass alle „für immer bei dir bleiben“, sondern dass sie
            • wachsen,
            • stabiler werden,
            • bessere Entscheidungen treffen.

          Dein Business wird dann zu einem Trainingsfeld, nicht zu einem Tempel.
          Und du bist eher Navigatorin als Heilige.

          Wie sieht ein ethischer Call-to-Action konkret aus?

          Schauen wir uns das kurz sehr praktisch an.

          Manipulativer CTA:

          „Teile diese Folge mit jemandem, den du liebst – das ist der größte Liebesbeweis, den du geben kannst.“

          Botschaft im Untergrund:

          Wenn du nicht teilst, liebst du nicht richtig.
          Also: emotionaler Druck.

          Ethischer CTA:

          „Wenn dich dieser Artikel klarer sehen lässt, schick ihn gern an jemanden weiter, der gerade an einem ähnlichen Punkt steht. Nicht für mich – für euch.“

          Kein Druck.
          Keine Schuld.
          Nur Einladung.

          Gleiches beim Verkauf:

          Manipulativ:

          • künstliche Verknappung,
          • falsche Deadlines,
          • emotionaler Druck („Dies ist DEINE letzte Chance…“).

          Ethisch:

          • klare Infos: Was, für wen, bis wann, zu welchem Preis.
          • echte (!) Verknappung, wenn sie wirklich besteht.
          • und ganz wichtig: „Wenn es nicht dran ist, lass es.“

          Das kostet dich kurzfristig sicher ein paar Verkäufe.
          Langfristig baut es eine Community, die dir vertraut – nicht nur folgt.

          Und jetzt?

          Die eigentliche Pointe ist diese:

          Du musst dich nicht entscheiden zwischen:

          • entweder laut, groß, omnipräsent – aber manipulativ
          • oder klein, leise, integer – aber unsichtbar

          Es gibt einen dritten Weg:

          Groß, klar, sichtbar – und ethisch sauber.

          • Du nutzt Marketingpsychologie – aber bewusst und transparent.
          • Du kennst Trigger – und entscheidest, sie nicht auszunutzen.
          • Du willst Wirkung – aber nicht um den Preis der Würde deiner Kundinnen.

          Du wirst damit nicht die „riesige Community“ gewinnen.
          Aber du baust etwas, das in unsicheren Zeiten gebraucht wird wie nie:

          Erwachsene Führung.
          Klarheit statt Verzauberung.
          Verantwortliche Freiheit statt emotionaler Ketten.

          Für dich zum Mitnehmen

          Wenn du diesen Artikel liest, frag dich gern:

          1. Wo nutze ich vielleicht schon unbewusst Mechaniken, die eher auf Druck als auf Klarheit basieren?
          2. Wie möchte ich, dass sich Menschen in meiner Welt fühlen: abhängig oder ermächtigt?
          3. Was wäre die ehrlichste Art, meine nächsten Inhalte und Angebote zu verkaufen?

          Und dann beginnst du – Stück für Stück – dein eigenes System zu bauen.
          Nicht als „nette Kopie von Mel“, sondern als: deine eigene Version von Ethical Influence.

          Und mein CTA an dich: Teile diesen Artikel mit deinen Freundinnen und Kolleginnen.

          Über die Autorin

          Andreja Stella Drozdan
          Website |  + Beiträge

          Du hast genug vom „Ich müsste mal…“ und willst ein Business, das deinen Anspruch spiegelt?
          Dann bist du hier genau richtig.

          Ich arbeite mit ambitionierten Frauen, die bereit sind, groß zu denken, klar zu handeln und ihre Vielbegabung endlich als Vorteil zu nutzen.
          Gemeinsam schärfen wir deine Positionierung, entwickeln dein Signature-Angebot und bauen ein Business, das sichtbar, strategisch – und vor allem profitabel ist.

          Meine Angebote sind keine Feel-Good-Spielwiese.
          Sie sind für Macherinnen, die Verantwortung übernehmen – für sich, ihre Wirkung und ihren Erfolg.

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